Son Lux – Tomorrows I

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Mit „Tomorrows I“ legt das amerikanische Trio Son Lux den ersten Teil einer Album-Trilogie vor, die sie bis zum Sommer 2021 vollenden wollen. Wir haben für euch in dieses komplexe, aber ungemein schöne Werk reingehört.
Son Lux Press Shot 2020 (c) Djeneba Aduayom

© Djeneba Aduayom

Gerade einmal zwei Jahre sind seit dem letzten Son Lux-Album vergangen. Das ist eigentlich nicht so lange her – doch wir wissen alle, wie sehr sich die Welt in dieser kurzen Zeit verändert hat. Auch Son Lux haben sich verändert: Zunächst einmal haben alle drei Bandmitglieder anscheinend ihre Brillen abgesetzt. Und sonst so?

Sonst bleiben sich Son Lux treu: „Tomorrows I“ ist wieder einmal groß gedacht, und emotional und komplex ausgearbeitet. Son Lux machen im Grunde experimentelle Musik für Leute, die eigentlich keine experimentelle Musik mögen, irgendwo zwischen Jazz, Electro und orchestralem Pop. Es ist anstrengend, ja, aber dabei auch so unglaublich schön und fein und erhebend, dass man glatt vergisst, dass es anstrengend ist. Es ist eine Musik der Spannungen: Auf der einen Seite haben wir hektische Drums, verstörend verzerrten Gesang und dissonante, fast unangenehme Klänge. Aber zugleich versprühen sie eine Leichtigkeit, eine Unaufgeregtheit und Selbstsicherheit, mit der das Trio jeden einzelnen Ton im Stück so akkurat platziert, als gäbe es gar keine Alternative. Und immer, immer diese zauberhafte Zerbrechlichkeit, die in Ryan Lotts Falsett schwingt und jedes Stück auf eine Ebene der puren Emotionalität erhebt.

„Tomorrows I“ wirkt wie ein langer Prolog für Größeres

„Tomorrows I“ vereinigt also all die Zutaten, die wir schon aus den fünf Vorgänger-Alben kennen. Insgesamt distanziert sich die Band aber noch etwas weiter vom Pop als bisher. Die Klangkonstrukte sind abstrakter und unzugänglicher als sowieso schon. Und der Sound klopft jetzt auch etwas leiser und verhaltener an die Tür, als die oftmals bombastischen, episch-orchestralen Werke zuvor. So ein echter Ausreißer wie ihre beiden Erfolgsingles „Easy“ und „Lost it to trying“ vom 2013er-Album „Lanters“ oder auch das opulente „Dream State“ vom letzten Album fehlen komplett. Dafür strahlt die Schönheit der einzelnen Lieder und des Albums als Ganzes umso deutlicher. Ein Hoch auf die Fragilität!

Am Ende des Tages ist „Tomorrows I“ ein sehr schönes und stimmiges Album. Aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas, das Sahnehäubchen. Es wirkt einfach nicht ganz „da“, so als hätten Son Lux ihr eigentliches Potenzial und Können nicht vollkommen abgerufen. Das Album fühlt sich vielmehr an, wie ein langer, einstimmender Prolog für etwas viel Größeres. Und genau das will „Tomorrows I“ vielleicht auch sein: Die Einleitung zu einer Trilogie. Wir können auf jeden Fall auf die Teile II und III gespannt sein – und auf ein paar richtige Kracher hoffen!


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