Bombay Bicycle Club – Everything Else Has Gone Wrong

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Es gibt nichts peinlicheres als ein Comeback-Album, bei dem man sich am Ende wünscht, die Band wäre mal lieber getrennt geblieben. Zum Glück nicht so bei Bombay Bicycle Club! Die britischen Indie-Rocker haben sich nach 5 Jahren der Trennung wieder zusammengerauft und bringen mit „Everything Else Has Gone Wrong“ jetzt ihr fünftes Studioalbum raus. Wir haben reingehört.
Bombay Bicycle Club 2020

© Josh Shinner

Gut 10 Jahre ist es her, dass Bombay Bicycle Club ihr Debüt „I Had The Blues But I Shook Them Loose“ auf die Welt losließen – ein Album, das genau so klingt, wie britischer Indie-Rock um 2010 herum eben zu klingen hatte: catchy Gitarren-Riffs, markante Gesangsstimme und ein Touch Melancholie in einer fluffigen Indie-Party-Tanzbarkeit. Was Bands wie The Kooks, The Wombats, Maxïmo Park und Co. bereits ein paar Jahre zuvor als den Sound einer ganzen Szene definiert hatten, perfektionierten BBC mit ihrem Debüt glorreich. Es folgten drei weitere Alben, die nie wirklich schlecht waren, hier und da sogar einen Hit versteckten, aber insgesamt immer ein bisschen glanzlos wirkten im Vergleich zu diesem brodelnden, frischen Sound ihres Beginns.

Anfang 2015 entschieden sich die Bandmitglieder Bombay Bicycle Club auf Eis zu legen und sich anderen Projekten zu widmen. Allzu lange haben es die vier Jungs aber dann wohl doch nicht ohne einander ausgehalten, denn im August 2019 kam schon der erste wunderbare Vorbote eines neues Albums mit der Singleauskopplung „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)“. Nun ist endlich auch der Rest von „Everything Else Has Gone Wrong“ da. Und ja, die Platte kann was.

Bombay Bicycle Club finden ihren Swag wieder

„Everything Else Has Gone Wrong“ ist vor allem ein Album geworden, das einfach Spaß macht. Da sind sie wieder (oder besser: immer noch), diese catchy-tanzbaren Gitarren-Riffs, das Indie-Party-Feeling und vor allem diese wunderbar markante Stimme von Leadsänger Jack Steadman, die bei aller Coolness immer irgendwie ein wenig gequält klingt. Der klassische Indie-Rock-Sound von 2010. Nur mit ein bisschen mehr Synthie, damit auch jeder weiß, dass wir inzwischen im Jahr 2020 sind. Das Ganze könnte Gefahr laufen, altbacken und langweilig zu klingen, zu sehr in Nostalgie zu schwelgen, doch der Band gelingt es, gerade so einen Grad der Frische zu halten.

Besonders glänzt das Album dabei mit seiner Leichtigkeit, seiner Unbekümmertheit im Sound. Bombay Bicycle Club verzichten auf viel Schnickschnack und Experimente, die in den vergangenen Alben eine zunehmende Rolle spielten, und trauen sich stattdessen, auch mal musikalische Rückschritte zu machen, back to the roots quasi. Und die Rechnung geht auf: Es scheint, als haben BBC ihren einstigen Swag mit ihrem fünften Album endlich wiedergefunden. „Everything Else Has Gone Wrong“ hat als Gesamtwerk wieder mehr Drive, mehr Energie, mehr Spielfreude als die Vorgänger. In einem Interview sagte Steadman, es sei gewesen wie in den Anfangstagen der Band. „And yes, I’ve found my second wind“, heißt es im Titeltrack treffend. So wurde auch im Studio intuitiver gearbeitet und weniger am Sound herumgeschraubt als sonst. Einige der Songs seien wohl direkt in der ersten oder zweiten Aufnahme durch gewesen. Das alles hört man der ungezwungenen Stimmung des Gesamtwerks an.

An das Debütalbum kann „Everything Else Has Gone Wrong“ zwar trotzdem nicht heranreichen, aber den zweiten Platz dahinter hat es sich redlich verdient.

Bombay Bicycle Club – Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)



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