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Music Awards in Deutschland – Wo sind die Alternativen zum ECHO?

Ein Beitrag von Philipp
vom

Wenn es darum geht Musikern ein gegossenes Stück Metall in die Hand zu drücken, um damit ihre musikalischen Erfolge zu ehren, fahren andere Länder ganz schön auf. Insbesondere die USA und Großbritannien haben ein breites Angebot an den unterschiedlichsten Music Awards. Die Statuen werden da teilweise schon wahllos durch den Saal geschmissen. Und die deutschen Music Awards?

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© Ryan McGuire

British Music Awards, NME, BBC und wie sie nicht alle heißen

Gerade Großbritannien geht in Sachen Music Awards mit gutem Beispiel voran. Dort gibt es den BBC Music Award, den British Music Awards kurz BRITs und die NME Awards (vom New Music Express) als die drei großen, prestigebehafteten Preisverleihungen. Das US-Amerikanische Gegenstück wäre dann der American Music Award (AMA’s). In Deutschland haben wir die ECHO Verleihung, die ganz einfach gesagt nur die Mainstream Künstler ehrt. Dessen britisches Äquivalent wäre vermutlich der BBC Music Award, der als musikalische Auszeichnung offensichtlich eine junge Zielgruppe ansprechen soll und den man wohl kaum ohne einen durch junge Mädchen ausgelösten Tinnitus verlassen kann.

Letztes Jahr triumphierten bei den diversen Music Awards Künstler wie Taylor Swift, One Direction, Adele oder Hozier. Aber gut, dagegen spricht für mich im Allgemeinen nichts, solange es für den betagteren Musikhörer Alternativen gibt. Diese Alternative kommt in Form der BRIT Awards daher und führt zu einem Auflauf der Musikelite Großbritanniens auf dem roten Teppich. Auch dort hat dieses Jahr Adele triumphiert, doch die Subkultur wird nicht komplett vernachlässigt, sodass Jack Garratt mit dem Kritikerpreis nach Hause ging und Catfish and the Bottlemen den Award für den besten Breakthrough Act in den Händen halten durften. Schon ein anderes Kaliber und ein großes ECHO ist inklusive.

Die NME Awards, Musikpreis für Indie-Herzen

Zusammenfassung: Wir haben also bisher zwei Preisverleihungen, die zum Großteil internationale Musik ehren, die wir als radio- bzw. massentauglich bezeichnen würden.

Doch dann gibt es noch die NME Awards, die vom Musikmagazin NME veranstaltet werden und die Subkultur feiern. Als Recherche habe ich mir die komplette Gewinnerliste dieses Jahres angeschaut und die ging mir sehr leicht über die Zunge mit Gewinnern wie Foals, die den Award für das beste Album einsackten, RAT BOY als bester Newcomer, The Maccabees als beste britische Band oder Michael Eavis, der die Trophäe für das Glastonbury als bestes Festival entgegen nahm. Lagebericht Deutschland: Was machen die Musikpreise hierzulande? Als Leser würde ich mich nun fragen: So what? Nette Zusammenfassung der Preisverleihungen, aber was soll mir dieser Artikel bis jetzt sagen?

Deutsche Musikpreise beinahe eine Zumutung

Nun, um das zu beantworten kommen hier nun die Gewinner des größten deutschen Musikpreis, dem ECHO. Das beste Album ging an Schlagerqueen Helene Fischer, Künstler Pop/Rock national nahm Herbert Grönemeyer mit nach Hause, Band Rock/Pop ging an Revolverheld und Oonagh gewann den Music Award für Künstlerin Rock/Pop national. Worauf ich hinaus möchte ist, dass der deutschen Musiklandschaft die Diversität fehlt, die andere Länder haben. Es gibt noch die 1Live Krone, die dann auch schon mal an Casper oder Kraftklub geht, trotzdem wird der Großteil von Mark Forster, Lena oder Sido & Andreas Bourani eingesteckt. Eine ehrenwerte Erwähnung hat an dieser Stelle der New Music Award verdient, der alljährlich die beste Newcomer Band kürt und Gewinner wie OK KID, Kraftklub, Bonaparte oder Captain Capa hervorgebracht hat.

Warum fehlt Deutschland die Diversität bei Music Awards?

Mir stellt sich also die Frage, woran es liegt das diese Diversifizierung hierzulande nicht stattgefunden hat. Liegt es an der unterirdischen Radiokultur der großen Radiosender mit ihrer zehn Songrotation, in die sogar manche der „jungen Sender“ (Bremen Vier, Radio Fritz, 1Live, etc.) ab und an verfallen? Musikmagazine wie der Rolling Stone oder der Musikexpress veröffentlichen zum Jahresende immer Best Of-Listen und könnten vermutlich jeder ohne Probleme einen kleinen Music Award auf die Beine stellen und so die Musikszene unterstützen. Zumindest der Musikexpress hat es in diesem Jahr schon einmal versucht. Und in Hamburg gab es ja auch den HANS. Aber im großen Stil? Nicht wirklich. Gute Music Awards sind bei uns wirklich Mangelware. Dabei gibt es doch musikalisches Potenzial. Warum dürfen Bands wie Bilderbuch, Turbostaat, Die Nerven oder andere deutsche Künstler nicht auch mal einen Preis entgegen nehmen? Hiermit spreche ich mich ganz deutlich für neue und bessere Music Awards in Deutschland aus und sicherlich bin ich damit nicht komplett alleine.

Dabei wäre ein deutscher Musikpreis, mit mehr guter Musik, doch so leicht

Gut kann ich mir vorstellen, dass viele Firmen gerne alternative Music Awards hierzulande unterstützen würden, da es für diese bestimmt ein wachsendes Ansehen bei den Leuten der Subkultur bedeuten würde. Stichwort zielgruppenorientiertes Marketing. Selbst, wenn sich kein Fernsehsender bereit erklären würde so eine Veranstaltung zu übertragen, wir leben im digitalen Zeitalter. Come On, ein Livestream solch eines Music Awards hätte vermutlich mehr Zuseher als auf einem Spartenkanal, besonders wenn es möglich wäre hochkarätige Künstler zum Erscheinen bei den Music Awards zu bewegen und manche für Performances zu engagieren. Dann fehlt nur noch ein handfester Skandal, wie etwa Maurice Ernst küsst Dirk von Lowtzow oder Thees Uhlmann wird in ein Handgemenge verwickelt – Zack fertig, eine nagelneuer erfolgreicher Music Award in Deutschland wäre geboren. Vielleicht fehlt mir auch das Insiderwissen oder das nötige Know-How, um meine Idee kohärent und plausibel zu widerlegen. Vielleicht ist die Echo Verleihung aber auch wichtig um sich darüber beschweren zu können und wirklich gute Musik zu schätzen. Für mich hätte eine weitere Verleihung trotzdem nur Vorteile. Was spricht denn schon gegen etwas Diversität, oder?

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