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Herrenmagazin – mit einem Lächeln ins Herz des Publikums

Ein Beitrag von Jonas
vom

Wenn das Publikum bei einer Band vom ersten bis zum letzten Wort alles mitsingt, muss die Band irgendetwas Besonderes ausstrahlen. Wir waren beim Herrenmagazin-Konzert im Bi Nuu und wissen nun, was der Zauber hinter dieser Band ist.

Hotel Schneider als Support

Hamburg ist seit Mitte der Neunziger, wie ein nie zu sprudeln aufhörender Brunnen für deutschsprachige Indiebands. Einer dieser Vertreter ist Herrenmagazin. Mit ihrem inzwischen vierten Album „Sippenhaft“ im Gepäck statteten die sympathischen Nordlichter vergangenen Donnerstag unserer Hauptstadt einen Besuch ab. Als Support hatten sie die Band Hotel Schneider im Gepäck. Der Name ist auf dem ersten Blick noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Doch wenn man sich die Vita des Sängers genau anschaut, weiß man, dass man hier keinen unbekannten vor sich hat. Frontmann Dennis Scheider war lange als Gitarrist und Sänger bei Muff Potter aktiv und das merkt man auch. Voller Selbstbewusstsein singt, fast schreit er die Lyrics ins Mikro.

Hotel Schneider Berlin
© Jonas Amelong

„Lauter!“

Nachdem Hotel Schneider mit ihren Auftritt fertig waren, ging es auch praktisch ohne größere Pause direkt mit Herrenmagazin weiter. Das Publikum begrüßte die Band rund um Sänger Deniz Jaspersen mit lauten Jubel. Die ersten Töne erklangen, die Fans stimmten mit ein, doch schnell machte sich schlechte Stimmung breit. „Lauter!“ und „Man hört euch nicht!“-Rufe hörte man aus den hinteren Reihen des Publikums und die Leute hatten recht Deniz‘ Gesang war kaum zu hören und wurde von den dem Publikums übertönt. Im weiteren Verlauf des Abends besserte sich die Lautstärke des Gesangs etwas. Doch mit Ruhm bekleckert haben sich die Tontechniker des Bi Nuus heute sicherlich nicht. Zum Ende gestanden auch die restlichen Musiker von Herrenmagazin, dass sie während des ganzen Abends mit Tonproblemen zu kämpfen hatte.

Immer ein Lächeln im Gesicht

Sicherlich hätte der Start ins Konzert besser verlaufen können. Doch den Auftritt einer Band anhand der Tonqualität des Clubs zu bewerten, ist ungefähr so als würde ich die Leistungsfähigkeit eines Fußballspielers, an dem Rasen auf dem er spielt festmachen. Herrenmagazin löste diese schwierige Situation mit Bravour und gab dem Publikum des äußerst vollen Bi Nuus die Show, die es verdient hat. Das liegt vor allem an der sympathischen Art von Frontmann Deniz Jaspersen. Er hat fast durchgängig ein Lächeln im Gesicht. Aber nicht dieses hämische Grinsen eines Rockstars. Sondern dieses Lächeln, was einen ins Gesicht springt, wenn man einen guten Freund, den man ewig nicht gesehen hat wieder sieht. Diese Atmosphäre spiegelt sich auch in der Musik wieder. Es schwingt immer diese gesunde Position Optimismus mit. Dieses Gefühl einer lauen Frühsommernacht bei der man mit Freunden am Lagerfeuer sitzt über das Leben philosophiert und einfach voller Zuversicht in die nächsten Monate blickt.

Herrenmagazin Berlin
© Jonas Amelong

Textsicher von Anfang bis zum Ende

Herrenmagazin spielte an diesem Abend eine Setlist mit Songs aus allen bisherigen Alben. Dabei wurde von der ersten Minuten bis zur zweiten Zugabe jedes einzelne Wort lauthals mitgesungen. Herrenmagazin ist sicher nicht die größte deutsche Band, aber eine Band bei der sich die Fans bedingungslos mit ihren Lieblingen identifizieren. Vor allem der Song Lnbrg (über die Stadt Lüneburg) wurde während des Abends immer wieder vom Publikum gefordert und löste als er zum Ende des Konzerts endlich gespielt wurde, erneut lauten Gesang aus. Wahrscheinlich noch ein paar Dezibel lauter als bei den vorherigen Stücken. Mein persönliches Highlight des Abend war „Halbes Herz“. Diese Hymne gegen Halbherzigkeit und gegen unsere aktuelle Maybe-Gesellschaft. Warum sich alle Türe offen halten, wenn man auch mit vollem Karacho durch eine Tür mit allen seinen Konsequenzen rennen kann? Eines weiß ich nach diesem Abend auf jeden Fall ganz sicher – Herrenmagazin macht keine halbe Sachen.

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