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Reingehört // Cosby – As Fast As We Can

Ein Beitrag von Philipp
vom

Verschwende keine Gedanken an das hier und jetzt, bleib bloß nicht stehen. Immer in Bewegung, egal ob langsam oder schnell, Hauptsache so schnell du kannst. „As Fast As We Can“ ist ein buntglizerndes Synth-Pop Debüt mit einer ausgeprägt düsteren melancholischen Ader. Also genau das Richtige für den anstehenden Herbst.

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© Cosby

„As Fast As We Can“, erinnert dunkel an die Kindheit. An Momente, in denen die Tage unendlich schienen, die Welt an der Kinderzimmertür begann und mit dem Bolzplatz endete. Alles innerhalb dieser Blase war perfekt, nichts konnte hinein und schon gar nichts hinaus. Doch irgendwann kam die erste Nadel, sie stach, ließ die Schatten in das gleißende Licht sickern. Sie wuchs, wurde größer. Schon lange war es nicht mehr die heile Welt und schon gar nicht mehr nur für dich gemacht. Die heile Blase wurde größer und größer, blähte sich auf, Gedanken an die Logik des Hier und jetzt wurden verschwendet, der Wille auszubrechen wuchs. Andere brachen hinein, machten es sich gemütlich. Tage wurden kürzer, die Nächte umso länger. Erwachsenwerden. Weitermachen. Überleben.

Tanzen im Nebel der Straßen

Cosby liefern den vermeintlich interessantesten Synth-Pop des Herbstes. Sie kennen das Erwachsenwerden nur zu gut, die Hürden des jung sein, die Ängste stehen zu bleiben. Nicht zu wissen, wer man ist und wo man hingehört – Überleben (Salt). „As Fast As We Can“ gilt als tanzbar. Buntglitzernder Pop der hier und da ein wenig knarzt, die Menschen auf den Tanzflächen dieser Welt zum Zappeln bringen soll. CHVRCHES gilt als Referenz. Gerade der gleichnamige Titeltrack, We Kiss und Yeah! sind Beleg für diese Aussagen. Dennoch gibt Sängerin Marie Kobylka jedem Song einen derartig sensationellen melancholischen Touch, dass sich gerade in den fast schon dramaturgisch anmutenden Songs wie Love and War, Pieces und allen voran Salt die tatsächliche Größe Cosbys bemerkbar macht.

Wenn man dann von den Münchenern in ihre Blase gesogen wird, wirkt sie von innen plötzlich gar nicht mehr so riesig und aufgebläht. Keine bunten Lichter, keine schweißnassen T-Shirts oder ermüdeten Gesichter. Austra, Zola Jesus und Poliça tanzen im Nebel auf den Straßen. Einige Lichter schweben über die Menge hinweg, seltsam losgelassen, eine beinahe schon vertraute Hand legt sich auf die Schulter und führt dich da hin, wo du hinmöchtest. Nie zu schnell, nie zu langsam, eben as fast as you can.

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