Pale Waves im Interview über ihr Debütalbum

von am keine Kommentare
An einem heißen Sommertag trafen wir uns mit Heather Baron-Gracie (2. v.r.), der Sängerin von Pale Walves, im Michelberger Hotel, um mit ihr über das Debütalbum “My Mind Makes Noises” (VÖ 14.09.2018) zu sprechen.
Pale Waves Pressefoto

© Dirty Hit

Herzmukke: Hattest du etwas Zeit, dir die Stadt anzusehen?

Heather: Nicht wirklich, ich war eigentlich nur im Taxi und in diesem wunderschönen Zimmer. Es war ziemlich hektisch heute. Vielleicht beim nächsten Mal, wenn wir hier auf Tour sind.

Herzmukke: Ihr habt ja ein sehr ereignisreiches Jahr hinter euch, seit eure erste Single (“Television Romance”) erschienen ist. Wie fühlt sich das an?

Heather: Es ist großartig. Es ist einfach toll, wenn man etwas macht, was einem wirklich Spaß macht und es sich auszahlt. Die Reaktionen waren wirklich toll.

Herzmukke: Wie hast du denn die Reaktionen der Fans wahrgenommen? Liest du viel von dem, was im Netz geschrieben wird?

Heather: Manchmal, ja. Aber ich will mich auch nicht zu sehr darin vertiefen, manche Dinge sind echt etwas düster. Es gab einige Kommentare zu unseren Youtube-Videos, die ich einfach nur bizarr fand aber die meisten sind echt freundlich. Ich habe auch viele Fans nach den Shows getroffen und sie erzählen mir oft, dass unsere Musik ihnen hilft und das ist natürlich schön zu hören. Ich finde es schön, dass meine Kunst anderen hilft.

Herzmukke: Deine Texte sind oft sehr düster aber die Musik dazu wirkt sehr fröhlich. Wie kommt das?

Heather: Das ist keine bewusste Entscheidung. Ciara (Schlagzeug) schreibt einen Großteil der Musik zu meinen Texten. Sie ist der Engel und ich der Teufel, das ist wohl unser Geheimnis.

Herzmukke: Schreiben Hugo (Gitarrist) und Charlie (Bassist) auch Songs?

Heather: Nein, eigentlich nicht. Das ist so ein Ding zwischen mir und Ciara. Manchmal gebe ich ihnen eine Idee und sie setzen es um. Hugo ist technisch sehr gut. Ich bin manchmal etwas wuschig und kann nicht so gut erklären, was ich meine aber er schafft es gut, diese Dinge umzusetzen. Ciara setzt sich eher mit Charlie zusammen um einen Rhythmus einzustudieren.

Herzmukke: Habt ihr mal überlegt ein Duo zu sein?

Heather: Nee, das wollten wir nie. Wir wollten immer eine Band sein. Eine Band wirkt ganz anders auf der Bühne und ich denke, die Menschen haben einen besseren Bezug zu Bands als zu Duos – jedenfalls geht mir das immer so. Wir sind mit Bands aufgewachsen, also wollen wir auch selber eine sein.

Herzmukke: Welche Bands wären das?

Heather: Hauptsächlich Fleetwood Mac, The Cure, Madness… Mein Vater hat viel AC/DC gehört. Das war nie so ganz mein Ding, aber ich habe es halt oft gehört – Bob Dylan auch. Ich mag die 80er, das ist für mich das beste Jahrzehnt der Musik. Aber ich mag auch viele aktuelle Sachen wie Taylor Swift oder Charli XCX…

Herzmukke: Mit wem würdest du gerne mal einen Song machen?

Heather: Ich sage eigentlich immer Madonna aber ich würde auch gerne mit Charli XCX etwas machen, sie ist sehr talentiert. Sie macht auch tolle Remixe.

Herzmukke: Gibt es Remixe von euren Songs?

Heather: Ciara hat einen gemacht aber der wurde noch nicht veröffentlicht. Er hat irgendwie nicht zum Album gepasst, deswegen haben wir ihn nicht aufgenommen. Stattdessen haben wir einen Akustik-Song am Ende der Platte. Der Song heißt “Karl” und ist nach meinem verstorbenen Großvater benannt.

Herzmukke: Was kannst du mir sonst noch über das Album verraten?

Heather: Es ist ein bunter Mix, denke ich. Wir haben einige sehr poppige und fröhliche Stücke, aber auch ruhigere und dann gibt es welche, die schon beinahe für einen Club geeignet sind. Ich denke, man merkt, dass wir viel The Naked and Famous gehört haben.

Herzmukke: Ich liebe The Naked and Famous!

Heather: Dann hör dir als erstes “Drive” an, der wird dir gefallen!

Herzmukke: Ihr habt gerade “Eighteen” als Single rausgebracht, worum geht es in dem Song?

Heather: Es geht darum, 18 zu sein und zum ersten mal so richtig verliebt zu sein. Ich hab ihn allerdings nicht mit 18 geschrieben, sondern vor kurzem. Wir saßen im Van und der Song entstand plötzlich. Mir kam die Zeile “This city depresses me” in den Sinn als wir in den USA waren. Es war nichts spezifisches, ich finde Städte oft irgendwie deprimierend. Dann saß ich ewig am Refrain und habe viele Ideen verworfen, eh die richtige dabei war.

Herzmukke: Passiert es oft, dass die Songs so nach und nach entstehen?

Heather: Das variiert total. “Karl” habe ich zum Beispiel in einem Rutsch geschrieben und danach nicht mehr wirklich verändert.

Herzmukke: Euer Album kommt ja bald raus. Schreibt ihr gerade schon an neuen Songs?

Heather: Ja, wir schreiben eigentlich ständig weiter. Wir wollen nächstes Jahr wieder etwas veröffentlichen. Wir wollen auch auf der Tour ein paar neue spielen, die es nicht mehr auf das Album geschafft haben.

Herzmukke: Ihr habt immer Newcomer als Support. Wie wählt ihr die Bands aus?

Heather: Swimming Girls, die auf der nächsten UK Tour dabei sind, habe ich mal im Lexington in London gesehen. Ich habe sie danach einfach angesprochen und gefragt, ob sie Lust haben mit uns zu touren. Ich glaube, diese Band könnte richtig groß werden in ein paar Jahren, sie sind wirklich großartig. Überhaupt gibt es gerade viele weibliche Bands bzw. Bands mit Sängerinnen, das finde ich sehr gut.

Herzmukke: Findest du es als Frau eigentlich schwierig im Musikgeschäft?

Heather: Am Anfang schon. Ich hatte oft das Gefühl, dass man Ciara und mich nicht richtig ernst nimmt. Viele Männer haben sich gegenüber Hugo oder Charlie ganz anders verhalten als uns gegenüber. Sie haben mit mir nicht wirklich über technische oder finanzielle Dinge gesprochen. Ciara wurde immer gefragt, ob sie singt oder Keyboard spielt, weil sich keiner vorstellen konnte, dass eine Frau am Schlagzeug sitzt. Jetzt wo wir bekannter sind, passiert das eigentlich nicht mehr aber am Anfang war das echt frustrierend.

Deswegen nehme ich gerne eine junge Band auf Tour, um ihnen unter die Arme zu helfen und sie mehr Leuten bekannt zu machen. Mit uns war es ja genauso, als The 1975 uns mitgenommen haben. Wir hatten damals auch erst einen Song draußen.

“My Mind Makes Noises” von Pale Waves erscheint am 14.09.2018 bei Caroline. Im Oktober sind Pale Waves auf Deutschlandtour, alle Infos und Termine findet ihr hier.

Video: Pale Waves – Eighteen

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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