So war’s beim Highfield Festival 2019 (+Bildergalerie)

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Wieder einmal zog es uns an den Störmthaler See zum Highfield Festival. Auch in diesem Jahr erwartete uns ein bunter Mix aus Rock, Indie, Hip Hop, Punk und Pop mit Acts wie Von Wegen Lisbeth, Faber, Feine Sahne Fischfilet und Annenmaykantereit. Hier erfahrt ihr, wie es in diesem Jahr war und ob ihr euch schon mal Tickets für die nächste Ausgabe zulegen solltet.
Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke

© Thomas Tiefseetaucher

Wenn am Donnerstagabend um 20:00 Uhr auf der Beach Stage die ersten Beats von Beck’s CampFM droppen, heißt das für die ersten, eifrigen Besucher des diesjährigen Highfield Festivals, dass es endlich losgeht. Sie können sich auf 4 Nächte und 3 Tage voller Musik freuen. Wie jedes Jahr seit der Gründung des Festivals im Jahr 1998, stehen Bands aus Genres wie Punk-Rock, Rap, Soul, Pop, Indie-Rock, bis hin zu etwas ruhigeren Singer-Songwritern in den Startlöchern und warten darauf es auf der Green Stage und der Blue Stage richtig krachen zu lassen.

Highfield Festval: Das waren die Highlights 2019

Den Freitag eröffnen Montreal mit einem kleinen aber feinen Set auf der Beach Stage, mit Ausblick auf den Störmthaler See. Wem das zu früh war, bekommt um 17:30 nochmal die Chance das nachzuholen. Die Greestage wird am Freitag von den sozialkritischen Punkrockern Rogers eröffnet. Direkt darauf folgt die Blue Stage mit Drangsal. Spätestens bei der Halbzeit muss man sich der Qual der Wahl stellen, denn wie versprochen kommen Montreal für ein noch energetischeres und vor allem lauteres Set wieder auf die Bühne.

Als nächstes schauen wir uns Faber an, der für den heutigen Tag den ersten Ausflug in ein anderes Genre bedeutet. Seine düsteren Stories transportieren uns mit Polka und Chanson in das rotweingetränkte Leben des Schweizers. Die Stimmung: fatal bis nihilistisch. Die erste große Überraschung des Festivals folgt mit Von Wegen Lisbeth, die ihre ausgefeilten, liebevollen Arrangements perfekt für die große Bühne adaptieren. Schon bei “Lieferandomann” kann man einfach nicht still halten. Spätestens ab “Bitch” singen alle mit bis in die hintersten Reihen. “Wenn du Tanzt” schlägt ein wie eine Bombe. Alle hüpften während die Dunkelheit über uns hineinbricht.

Feine Sahne Fischfilet Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke

Feine Sahne Fischfilet, © Thomas Tiefseetaucher

Auf der grünen Bühne geht es mit Feine Sahne Fischfilet weiter. Sänger ‘Monchi’ setzt sich gezielt mit einem roten Bengalo in Szene. Es gibt einige Nachahmer im Publikum, die uns alle in rotes Licht hüllen während wir der Plautze vom Frontman zujubeln. Die Politpunker bringen ordentlich Energie mit heftigen Basswellen. An den äußeren Flanken springen Fans ungehalten umher. Wir jubeln und singen aus vollen Kehlen mit. Die Atmosphäre ist einfach ansteckend. Auf der Blue Stage macht CRO dann eine lässige Ansage nach der anderen, geschmückt mit der üblichen Maske und gelbem viel zu großem Polohemd. An seiner Seite zwei fantastische Backgroundsängerinnen, die der Show eine ordentliche Portion Soul verleihen.

Jan Delay Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke

Jan Delay, © Thomas Tiefseetaucher

Als letzter Act des Abends erklimmt Jan Delay mit seiner Band Disko No. 1 die Bühne. Hier gibt es keine Überraschungen. Der Hamburger zeigt sich als der Showman, wie wir ihn kennen und heitzt den Leuten ordentlich ein. Alle freuen sich über Tribut an Das Bo mit “Wir brauchen Bass” und Klassiker wie “Irgendwie’ irgendwo, irgendwann”. Danach geht das DJ-Team von Beck’s CampFM wieder an den Start und kümmert sich liebevoll um die Schlaflosen.

Der Samstag startet mit KMPFSPRT, die uns erfolgreich mit ihren Gitarrenwänden den letzten Schlaf aus den Köpfen blasen. Gefolgt von Sookee, die noch einmal zeigt, dass die Macher vom Highfield vor allen Dingen Acts mit Aussagekraft buchen. Die Louise-Otto-Peters-Preisträgerin zeigt sich sozial- und selbstkritisch und gewinnt damit die Herzen des Publikums. Der italienische Ska-Punk von Talco tansportiert uns in andere kulturelle und sprachliche Welten. Das ganze ist extrem tanzbar und powert uns richtig aus vor der Mittagspause. Als wir zurück kommen sind die Monsters of Liedermaching in den letzten Zügen. Viele Besucher in den letzten Reihen sitzen und freuen sich über die sanften Töne von Akustik-Klampfen. Eine willkommene Abwechslung von dem sonst sehr Energie geladenen Line-Up. Vor der Bühne wird eifrig bei A cappella Stücken mitgesungen.

Enter Shikari Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke

Enter Shikari, © Thomas Tiefseetaucher

Skindred sorgen für eine gewaltige Portion an Headbanging mit ihrem wilden Genre Mix aus Core, Dub, Reggae und Funk. Auch bei Ok Kid wird einfach weiter getanzt. Die Jungs zeigen, wie Hip-Hop und Alternative verschmelzen können. Die Hände runter nehmen lohnt sich nicht, denn sie gehen ja eh gleich wieder hoch. Ein wirklich auffälliger Genre-Mix schallt uns von Enter Shikari entgegen. Die schaffen es irgendwie Post-Hardcore mit Drum’n’Bass, Elektro und Dubsteb zu vermählen. Frontman Rou Reynolds wechselt von klassischem Rockgesang zum Scream und zurück als wäre das das selbstverständlichste der Welt. Die Band mutet in ihren grauen Anzügen an wie ein Wolfsrudel. Leider wirkt die Show zu einstudiert und auch Reynolds Lauf durchs Publikum ist eher auf den Kameramann fokussiert als irgendwie von Emotion ausgelöst worden zu sein.

AnnenMayKantereit Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke

AnnenMayKantereit, © Thomas Tiefseetaucher

Trettmann bringt leider nur sich selbst mit, was auf der großen Bühne etwas verloren aussieht. Das scheint die Fans aber zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu stören. Irgendwann bekommt er dann doch Unterstützung von Kitschkrieg und Konsorten. Mehr Mühe geben sich die eher Singer-Songwriter-lastigen Bands von Thees Uhlmann und AnnenMayKantereit. Die waren trotz fehlender Härte auch gut besucht, was zeigt, dass die Besucher des Highfields vor allem an der Message interessiert sind. Uhlmann gibt sich postiv, seinem Alter entsprechend in Anzugjacke (statt Jeansjacke wie noch 2017), mit einer soliden Band, die seine poetischen Songs in ein schönes Licht rücken. Merklich voller wird es dann für die Jungs aus Köln, die wie es aussieht auch gut Headliner sein könnten. Das Publikum ist textsicher. Henning May allein am Piano bringt uns Gänsehaut und groovt so sehr, dass wir einfach mitklatschen müssen. Jedes Jahr wenn man diese Band sieht, sind sie wieder ein Stück besser geworden, als sie eh schon waren. Wo wird das noch hingehen?

Bei SDP geht es auch nochmal ab. Pyrotechnik sprüht, aufblasbare Flamingos fliegen rum, die Band prostet mit dem Publikum und machen allerhand Quatsch. Das ist die abwechslungsreichste Darbietung des Festivals. Publikumsinteraktion: 100 Prozent. Auch die eigentlichen Headliner Thirty Seconds To Mars machen ordentlich Party, kommen aber über den Bühnenrand emotional nicht richtig hinaus. Es gibt viel Lichtshow, Fog und Bälle werden ins Publikum geworfen. Für Fans garantiert trotzdem ein Ohrenschmaus.

Highfield 2019 Thomas Tiefseetaucher für Herzmukke (30)

© Thomas Tiefseetaucher

Sonntag freuen wir uns besonders auf Sammy Deluxe unplugged und die Punklegende The Offspring, die dem Publikum ordentlich einheizen. Am Sonntagabend gibt es eine kleine Unterbrechung durch Unwetter, was den Besucher aber nicht die Laune verdirbt. Dann singt man eben selber. Das Festival hat einen angenehmen Flow. Die Sanitären Anlagen sind gepflegt und ausreichend. Auch ein paar Orte der (mehr oder weniger) Ruhe lassen sich finden. Überall trinkt man fröhlich. Der Zeltplatz ist außer Rand und Band. Am den äußeren Grenzen des Festivalgeländes gehen Jugendliche ausgelassen Trinkspielen nach. Nach der Party an der Beck’s Beach Stage kann man entspannt dem letzen Tag entgegen träumen.

Das Highfield hat es wieder geschafft für alle Besucher etwas aufzutischen mit einer bunten Mischung aus Rock, Indie und Hip-Hop. Wir sind auf das nächste Jahr gespannt.

Text: Robin Sellin; Fotos: Thomas Tiefseetaucher

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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