Years & Years – Palo Santo

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Nach dem großen Erfolg ihres Debütalbums “Communion” melden sich die Briten von Years & Years nun mit dem Nachfolger “Palo Santo” zurück. Ob das Album das Zeug hat, an das Erstwerk anzuknüpfen, verrät unsere Rezension.
Years & Years Pressefoto 2018

© Universal

Dass Years & Years einmal eine fünfköpfige Indieband waren, weiß wahrscheinlich kaum jemand mehr. Mit der Single “King” und dem darauffolgenden Debütalbum “Communion” ging die auf ein Trio geschrumpfte Band um Sänger Olly Alexander 2016 durch die Decke. Für Fans der ersten Stunde war dieser Mainstreamerfolg wohl eher ernüchternd – zu glatt und aufs Formatradio gebügelt kam die Platte daher.

Danach wurde es eine Weile ruhig um die Band, eh sie sich Anfang des Jahres mit der neuen Single “Sanctify” und der Ankündigung des Zweitlings “Palo Santo” zurückmeldeten. Dahinter steht, laut Pressetext, ein groß angelegtes Konzept über eine fiktive utopische Stadt, in der es neben geschlechtslosen Androiden nur wenige Menschen gibt, aber “Palo Santo” ist – zum Glück – kein Konzeptalbum geworden.

Dass Olly Alexander hauptberuflich Schauspieler war, ehe er zur Musik kam, wird in den Videos zu den Vorabsingles “Sanctify” und “If You’re Over Me” noch immer deutlich. Auch wenn sich die Visualisierung um die fiktive Stadt Palo Santo dreht, geht es in den 12 Titeln vorrangig um das Liebesleben des 27-jährigen Sängers und Frontmanns. Als Songwriter nimmt er kein Blatt vor den Mund und thematisiert seine Homosexualität und sein Liebesleben vollkommen selbstverständlich und stellt dabei klassische Konzepte von Männlichkeit in Frage.

Years & Years – Noch einmal mit Gefühl

“Palo Santo” zeigt, dass Years & Years mehr als eine Hype-Band sind. Ihre wahre Stärke liegt in der flüssigen Mischung aus Pop, RnB und Elektro-Elementen sowie Alexanders Falsett. Die Songs sind erwachsener als auf dem Vorgänger und die Produktion reduzierter. Ein zweites “King” wird man hier nicht finden – doch gerade das ist die Stärke dieses Albums. Stattdessen gibt es neben tanzbaren Nummern wie “Hallelujah”, “Karma” oder “Rendezvouz” auch verkopftere Stücke wie den Titeltrack oder ein verspieltes “If You’re Over Me”. Ein absolutes Glanzstück ist die Ballade “Lucky Escape”, bei der neben Alexanders’ Gesang auch die zurückhaltende Instrumentalisierung brilliert.

Years & Years haben mit “Palo Santo” ein Album geschaffen, dass sich nicht hinter seinem Vorgänger verstecken muss. Auch wenn Formatradiohörer hier schwieriger Zugang finden dürften, sollte ihnen der Erfolg gewiss sein, auch wenn er jenseits des Mainstreams stattfindet.

Video: Years & Years – If You’re Over Me

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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