The 1975 – Notes On A Conditional Form

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In ihrer Heimat sind The 1975 nach wie vor die Band der Stunde. Daran wird vermutlich auch ihr neues Opus, “Notes On A Conditional Form”, nichts ändern, auch wenn sich die Platte schnell als Chimäre entpuppt. Wir haben für euch reingehört.
The 1975 scheitern auf NOACF an ihrem eigenen Anspruch

© Mara Palena

“Notes On A Conditional Form” (NOACF) wurde mehrmals verschoben, doch dieses Mal ist nicht das Coronavirus Schuld, sondern die Band selbst, die auf keinem Fall an ihrem eigenen Anspruch scheitern wollte, das versprochene 22-Titel lange Album auf den Markt zu bringen. Hier sind wir eigentlich auch schon beim größten Problem des vierten Albums der Band aus Manchester: es ist schlicht und einfach zu lang und als Hörer quält man sich regelrecht, bis zum Ende durchzuhalten.

Dabei fängt alles so gut. Das selbstbetitelte Intro ist diesmal kein Song über Blowjobs, sondern wird einfach mal Greta Thunberg überlassen, die in einem fünfminütigen Monolog zu zivilem Ungehorsam aufruft. Mit der ersten Singleauskopplung “People” folgt ein richtiger Kracher, in dem The 1975 ihre Lieblings-Ems-Bands aus der Jugend zitieren. Wo man noch denkt, jetzt geht es richtig los, ist The End (Music For Cars) eine Vollbremsung. 2 1/2 Minuten dudelt das instrumentale Stück vor sich hin, nur um mit “Streaming” wieder aufgenommen zu werden. Das farblose “Frail State Of Mind” und das drogige “The Birthday Party” gehen dazwischen völlig unter und “Yeah I Know” gleicht eher einer Demo.

In Der Mitte erholt sich die Platte etwas. Das Phoebe Bridgers Feature (“Jesus Christ 2005 God Bless America”) über homosexuelle Teenager im christlichen Amerika holen den Hörer aus der Trance zurück. Mit “Me & You Together Song” folgt ein weiteres Highlight, das an die Anfangsjahre der Band erinnert, als sie noch Drive Like I Do hießen und auf Gitarren schrammelten. Ähnlich wie “People” ist der Song eine nicht ganz so ernst gemeinte Homage an die Indie und Emo-Bands der frühen Nullerjahre.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Danach geht der Band aber leider wieder die Puste aus. Die RnB Nummern “Nothing Revealed / Everything Denies” und “Tonight (I Wish I Was Your Boy” hat man auf den Vorgängeralben irgendwie schon mal in besser gehört. Das Dancehall-Feature “Shiny Collarbone” mit Cutty Ranks am Mikro überspringt man besser direkt.

Mit “If You’re Too Shy (Let Me Know)” machen The 1975 endlich wieder das, was sie am besten können: Eingängen Pop im 80er-Jahre Gewand. Darauf folgen weitere größtenteils instrumentale Stücke, die einen scheinbar daran hindern wollen, das Ende des Albums zu erreichen. “Don’t Worry” wurde von Sänger Matt Healy’s Vater Tim (im UK ein bekannter Serienschauspieler) als Gutenachtlied geschrieben. Leider hat man sich entschlossen, das Duett der beiden komplett mit Autotune zu ertränken. Mit der Schmacht-Ballade “Guys” hast du es endlich geschafft, du hast NOACF komplett durchgehört.

Auf NOACF scheitern The 1975 an ihrem eigenen Anspruch und liefern ein konzeptloses und aufgeblasenes Monster von einem Album ab. Mit 11 Tracks hätte NOACF ein sehr gutes Album werden können, mit über 80 Minuten Laufzeit und 22 Songs wird das Hörerlebnis streckenweise jedoch eher zur Qual.

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Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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