Razz über Berlin, Alli Neumann und Ärsche

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Razz sind eine vierköpfige Band, die schon seit über zehn Jahren spielt. Mit ihrem dritten Album ‘Everything You Will Ever Need’, was im Juli erscheint, erfinden sie sich wieder neu. Ich treffe mich mit Steffen und Niklas an der Spree zum Interview. Vorher wappnen sich beide am Späti mit Getränken und wir kommen gut ins Gespräch. Zwischen Sirenen und Party-Booten reden wir über ihre musikalische Entwicklung, das kommende Album und Konzerte.

Razz im Interview mit herzmukke

© Vera Klemt

Wir sitzen ja an der Spree und ihr wohnt in Berlin. Was reizt euch an der Stadt? 

Niklas: Ich weiss, das ist eine totale Klischee-Antwort, aber ich finde Berlin macht wirklich am meisten im Sommer Bock. Ich liebe am meisten, zum einen das Tempelhofer Feld und genieß das zum Anderen auch total, mich ganz spontan auf ein Bier zu treffen.

Steffen: Netzwerken geht hier halt super und Berlin ist einfach auch eine Stadt, die alles ist, was man daraus macht. Man kann auf Konzerte gehen, in hippen Kiezen abhängen, alles mögliche essen, aber auch einfach entspannt machen.

Niklas: Save! Konzerte besuchen ist halt auch super hier.

Steffen: Bei uns daheim gibts sowas maximal einmal im Monat vielleicht.

Niklas: Ich bin noch bei Phoebe Bridgers und Harry Styles. Das ist so eine geile Kombi an Leuten, die man sehen kann.

Euer Album kommt am 15. Juli raus – was sind eure Lieblingssongs daraus?

Steffen: ‘Talking for hours’! Und was ich auch mag, ist ‘Rome’, der ist etwas ruhiger. Den hatte ich nie so als Favorit, aber die Leute mögen den total und das hat mich nochmal beeinflusst.

Niklas: Ich schwanke gerade zwischen ‘Rome’ und ‘Lately’. Aber ich mag auch die Singles super gerne. Die bedeuten mir einfach viel.

Steffen: ‘Since’ liebe ich auch!

Niklas: Ja und gerade die unveröffentlichten Songs feiert man dann. Da ist man noch so hyped.

Wird man irgendwann genervt von seinen eigenen Songs?

beide bejahen sofort

Niklas: Es wäre eine Lüge, nein zu sagen. Schon im Studio hört man einzelne Passagen tausend mal durch und ist das erste mal genervt. Und dann beim Gegenhören wird es spannend, aber auch irgendwie repetitiv. Dann fühlt man das nicht mehr so. Aber live machen wir das dann manchmal mehr für die Leute als für uns und das macht wieder Bock. Ich Könnte die meisten dann nachts um 3 spielen, überraschend ist es nicht. Aber die Reaktion der Leute macht das dann total aus.

Zwischen Live-Musik und Studio-Aufnahmen

Ihr spielt ja nächste woche auch in Berlin..

Steffen: Ja, da vorne! Im Flux.

Ihr habt ja öfter gesagt, dass euch Live spielen zu können total wichtig ist, dass es gut klingt. Ist euch das wichtiger als die Studio-Aufnahme?

Niklas: Ne, das ist, glaube ich, nicht wichtiger.

Steffen: Es sind immer die 2 Säulen; live und Studio. Im Studio muss der Song stehen, das ist endgültiger; wie ein Foto ohne zweite Chance. Live kann man dann variieren und sich noch ein bisschen auf die Crowd einlassen.

Niklas: Aber das Studio vergibt Fehler. Wenn Bands, die ich liebe, live scheiße klingen, enttäuscht mich das total. Das treibt mich aber wiederum an, dass es live gut sein muss. Ich muss halt was fühlen auf einem Konzert.

Es kommt ja auch auf die Mische und die Technik total an. Das tut mir manchmal auch leid, wenn es doof klingt!

Niklas: Ja, meist sind das dann die Signale und Technik, die Mist sind.

Steffen: Alle sagen, Sound kommt aus den Fingern, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Manchmal ist das Team auch zu eingefahren und entwickelt sich nicht mehr weiter.

Seid ihr auch ultra perfektionistisch und brecht einen Song ab, wenn der nicht passt? Oder Hauptsache durchziehen?

Steffen: Abgebrochen haben wir nie. Klar ist die Quali wichtig, aber die Frage ist immer was passiert vorne mit den Menschen? Man hat Anspruch an sich selbst, aber wichtig ist mir vor allem, dass die Leute Spaß hatten.

Niklas: Ich bin definitiv perfektionistischer. Aber eher bei den Vorbereitungen, weil ich sonst das Gefühl hab, mich nicht fallen lassen zu können.

Ganz viele Leute haben zu eurer Pause gefragt. Mich würde es eher interessieren, wo es hingeht – musikalisch. Was kommt da auf uns zu?

Niklas: Es ist immer schwer, sowas zu planen. Das ist eher eine Entwicklung, die man rausfinden muss. Auf dem Weg entdeckt man dann, wohin es geht.

Wenn ich wieder Songskizzen sortiere – die ich mal wieder schreiben muss – dann merke ich erst, wohin es geht mit den Titeln.

Steffen: Wir sind ja irgendwo eine Pop-Band und lassen uns beeinflussen von dem, was wir hören und wie was klingt. Das ist dann zeitgenössische Musik, die Einfluss auf uns hat. Ich glaube, das hört man dann auch. Früher haben wir Leuten hinterher geeifert, die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten, deshalb finde ich, dass unsere aktuellen Sachen einfach mehr ins die Zeit passen. Oder findest du nicht Niklas?

Niklas: Doch. Habe ich so nie drüber nachgedacht.

Ich habe mir zum Bespiel ‘Corner’ und diese Kurzfilmreihe angesehen. Das ist ja ein ganz anders Format für Musikvideos, als man sonst kennt. Wie kam es dazu?

Steffen: Federführend war Jen Krause, unsere Drehbuchautorin, Regisseurin, Produzentin, die Frau für alles. Wir wollten da was Neues machen.

Niklas: Ich fand schon immer die Idee von einzelnen Musikvideos schwierig. Ist ja auch ein sterbendes Format gefühlt, wenn man nicht gerade 200 000 Euro für einen Dreh hat – die wir nicht haben. Das Zusammenhängende war dann die Grundlage für die Kurzfilme. Quasi als cooler Workaround. Wir haben im Oktober 2021 Jen angeschrieben und innerhalb von 2 Monaten die Locations gesucht und alles – das war auch mega hustle. Die Grundidee war dann von Jen und wir haben das zusammengewebt und angeglichen, sodass es sich auch nach uns anfühlt und zu den Songs passt.

Von Idolen und Bauklötzen

Ich sehe euch ein bisschen zwischen Giant Rooks und Leoniden. Gibts KünstlerInnen, mit denen ihr immer mal arbeiten wolltet – abseits von realistisch oder nicht?

Steffen: Alli Neumann! Mit der mal irgendwie was machen, wäre toll. Die hat eine geile Energie und dieses breitbeinige auf die Fresse mag ich. Super Attitude einfach. Das wäre ein super Kontrast zum ruhigen Niklas.

Niklas: Und sie so keck!

Steffen: Alli hat auch total social media game drauf, habt ihr mal gesehen? Also ja, wenn du das hörst – HOOK US UP ALLI!

Niklas: Boa, wenn’s so unrealistische Sachen sind? In letzter Zeit höre ich ultra viel Easy life, hätt’ ich auch Bock drauf. Oder Sampha? Der hat was drauf. So jemand, der nur Texte schreibt vielleicht… So Bernie Taupin. Oder – ne ich will erweitern: Bernie Taupin MIT Elton John! Boa oder so Dua Lipa.

Steffen: Ich hätt mich gerne von David Bowie produzieren lassen-

Niklas: Aber Dua Lipa… Die würde ich dann wahrscheinlich aber nur anhimmeln. So ”Ja.. erzähl weiter…

Steffen: …everything u want!”

Ich wollte noch wissen, was eure Rollen in der Band sind. Also wer schreibt und wie läuft das dann ab, wenn ihr einen Titel macht?

Niklas: Also ich schreibe meistens irgendwas auf und hab dann oft schon eine grobe Idee. Die hat dann oft eine Richtung für Schlagzeug und Steffen gibt dann so den Senf dazu. Dann wird Vorproduktion ausgearbeitet und aus 100 Songs gibt’s dann ‘ne Vorauswahl. Sukzessiv von 4-10 Songs werden dann 3 genommen und dann schreiben wir wieder und nehmen nochmal ein paar davon. Dann geht das stringent in eine Richtung. Und von der Vorproduktion geht’s dann direkt ins Studio. Nicht am Stück, ohne Deadline find ich geil. Ich brauche eine gewisse Freiheit. Aber das macht mich dann auch nachlässig. “Ok der Song steht – aber da fehlt noch ‘n Vers”.

Ist euch sonst gerade etwas wichtig zu sagen?

Niklas: Kauft unser Album! Wir waren signieren und wir wollen dass das jetzige am besten ranked! Das wär geil!

Steffen: Jetzt denken die wieder, wir sind kommerz!

Niklas: Is’ doch so! Schreib rein “Kauft unser Album!”

Steffen: Das ist sympathisch…

Dann abschließend eine Aufgabe: Beschreibt euch und eure Band-Members in je einem Wort.

Steffen: Müssen wir die Namen dazu sagen?

Wär eigentlich gut! lacht

Niklas: Wir fangen mit Lukas an! Muss es ein Adjektiv sein?

Wie es euch in den Sinn kommt. 

Niklas: Dann will ich für Lukas Lego nehmen. Lukas ist Lego.

Steffen: Hä? Lego?

Niklas: Ja, weil wir viel darüber gesprochen haben. Ich finde, er ist wie Lego!

Steffen: Versteh ich gar nicht.

Niklas: Na gut dann, ändern wir das.

Steffen: Ne, kannste ja lassen. Wenn du das so fühlst!

Niklas: Lass uns mal einigen!

beide diskutieren und einigen sich schließlich

Niklas: Final: Ich Kopf, Christian Herz, Lukas Beine und du Steffen Bauch!

Steffen: – und Arsch! Ich bin Bauch und Arsch.

Niklas: Ja, find ich gut! Das lassen wir so.


“Everything You Will Ever Need” von Razz erscheint am 15.07.2022.

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Hi, ich bin Vera ...

Dass mein Herz für beat schlägt, weiß ich schon lange aber als ich die erste Foto Strecke in der juice gesehen habe wusste ich - Portraits von Musiker:innen - da will ich mal hin! Als „Lichttrauma“ fotografiere ich seit knapp zehn Jahren und veröffentliche seit 2017 die ersten Beiträge über Musik-Events.