Wiedervereinigung 2.0 – Casper, Kraftklub und K.I.Z in der Zitadelle Spandau Berlin

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Die Zitadelle Spandau, eine Festung am Rande der deutschen Hauptstadt, wird am 28.05. zum Schauplatz der “Wiedervereinigung 2.0” mit Casper, Kraftklub und K.I.Z.

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Casper, Kraftklub und K.I.Z. in der Zitadelle Spandau (© Rico Nemetz)

Schon am frühen Vormittag haben sich die ersten Fans eingefunden, um nicht bis zum Einlass um 18 Uhr in der über einen kilometer langen Schlange zu warten. 

Es ist stürmisch, als die Ersten reingelassen werden. Sämtliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf sollen an die Crews gehen. Schnell wird sich auf den Merch-Stand gestürzt und dann ein Platz zwischen hunderten anderen Besuchern ergattert.

Vorhang auf für Casper

Pünktlich um 20 Uhr geht es los. Bohemian Rhapsodie von Queen wird gespielt und die Menge wird ungeduldig, als Casper die Bühne betritt. Kreischen und Applaus von allen Seiten, während er mit “Alles war schön und nichts tat weh” startet. Benjamin Griffeys rauchige Stimme animiert schnell zum Tanzen, während er selbst energiegeladen über die Bühne springt, wie schon die letzen 10 Jahre. Schon ab dem ersten Takt entsteht zu “Hinterland” ein Chor, der sogar Casper beeindruckt und die Stimmung heizt sich weiter auf. Bei “Adrenalin” bebt der Wellenbrecher -hinter ihm wird von 18 bis 45 Jährigen mitgesungen und gejubelt. Mit seinem Klassiker “Jambalaya” verlässt Casper die Bühne nicht, ohne die komplette Besucherschaft ins Schwitzen gebracht zu haben.

Die Mischung aus der Freiheit nach langem Warten und süßer Nostalgie, die viele mit ihm verbinden, macht das 45 Minuten-Konzert zu einer puren Dopaminwelle.

Kraftklub: Ein Song Reicht 

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Kraftklub bei der Wiedervereinigung 2.0 in der Zitadelle Spandau (© Vera Klemt)

Nach einigen Jahren Pause nun der erste Auftritt von Kraftklub – beim ersten Fuß auf der Bühne rasten die Fans aus. Felix Brummer hatte zuvor (als Kummer) die ersten alleinigen Titel herausgebracht und erst eine Woche vor dem Konzert wurde der neue Titel “Wittenberg ist nicht Paris” von Kraftklub veröffentlicht – es versteht sich von selbst, dass die Menge ihn textsicher mitgrölen kann. Die Live-Premiere des Titels wird gefolgt von Klassikern – pure Euphorie macht sich breit. Moshpits formen sich zu “ein Song reicht”, der den ersten Liebeskummer besingt und das Nostalgie-Level noch weiter erhöht. Als die Akkorde von “Randale” aus der ersten EP Kraftklubs ertönen, ist allen klar, dass jetzt der Abriss kommt. Das Publikum geht tief in die Hocke. Bei Platzmangel zur Not aufeinander sitzend wird gewippt, bis der Beat einsetzt und kollektiv alles nach oben fliegt und springt – einschließlich Becher, Taschen und Mützen. So befreiend fühlen sich diese Sekunden an, dass man sie immer wieder erleben will. 

Den krönenden Abschluss geben Kraftklub und Casper gemeinsam mit “Songs für Liam”.

K.I.Z. Moshpit über Hass

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Fans in der Zitadelle Spandau bei Wiedervereinigung 2.0 (© Vera Klemt)

Pause bedeutet Platzwechsel für die Crew, aber auch die Fans – K.I.Z. gefallen nicht allen. Die Berliner “Kannibalen in Zivil” werden von ihren Fans lautstark empfangen, als der dritte Akt beginnt. Hämmernde Bässe dröhnen in den Ohren. Von Müttern, Kapitalismus bis zum Publikum – es wird alles abgewertet, was vor die Nase gerät. “Ich ficke euch (alle)” eröffnet die Katastrophe und es gibt kein Halten. Fans pogen, grölen und feiern. Klassiker wie „Urlaub fürs Gehirn“ und “Hurra diese Welt geht unter” bringen sogar die Skeptiker am Rand zum Wippen. Maxim, Nico, Tarek und DJ Craft teilen daraufhin mit “Rap über Hass” aus, während im Publikum das erste Bengalfeuer gezündet wird. Die Energie der Menschenmenge kennt scheinbar keine Grenzen, doch kurz vor 11 geht es ein letztes Mal ans Mic. K.I.Z, Kraftklub und Casper präsentieren ihren ersten gemeinsamen Titel “Geboren weil du lebst”, bei dem die Hommage an die Toten Hosen kaum zu überhören ist. Diese feierten in Berlin am selben Wochenende ihr 40. Jubiläum.

Wiedervereinigung 2.0: Alles war schön und alles tut weh

Nach dem letzten Ton ein letztes Grölen und Klatschen und die Scheinwerfer gehen aus. Leichte Techno-Beats begleiten den Auslass, während man nach 6 Stunden fest stellt; alles war schön, aber alles tut weh.

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Hi, ich bin Vera ...

Dass mein Herz für beat schlägt, weiß ich schon lange aber als ich die erste Foto Strecke in der juice gesehen habe wusste ich - Portraits von Musiker:innen - da will ich mal hin! Als „Lichttrauma“ fotografiere ich seit knapp zehn Jahren und veröffentliche seit 2017 die ersten Beiträge über Musik-Events.

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