Twin Atlantic – GLA

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Nachdem ihr letztes Album “Great Divide” vor allem ihre Fans spaltete, besinnen sich Twin Atlantic ihrer neuen Platte “GLA”, einer Homage an ihre Heimatstadt Glasgow, zurück auf ihre Wurzeln. Ob das überzeugen kann, verrät unsere Rezension.
Twin Atlantic Pressefoto / © Steve Gullick

© Steve Gullick

Große Stadion-Songs wollten sie plötzlich schreibe, ein dickes Stück vom Kuchen haben und genauso klebrig süß und substanzlos klang es dann auch. “Great Divide”, das dritte Album von Twin Atlantic spaltete vor allem ihre Anhänger und trotz des kommerziellen Erfolgs waren die Schotten am Ende wohl doch nicht so glücklich mit dem Resultat. Das Label hatte ihnen zu viele Vorgaben gemacht und das mit der Popmusik war irgendwie auch eine Schnapsidee.

Noch einmal mit Gefühl

Also Vollbremsung und alles auf Anfang und noch einmal mit Gefühl. Auf die grauen Eminenzen beim Label wurde kurzerhand geschissen und die neuen Songs wurden von der Leber weg in Eigenregie aufgenommen. Das Ergebnis nennt sich “GLA”, benannt nach dem Airport-Code ihrer Heimatstadt Glasgow, und dafür hat sich Sänger McTrusty mit knapp 30 extra einen Iro schneiden lassen. So richtig authentisch wirkt diese Kehrtwende auf den ersten Blick nicht und auch die ersten beiden Titel der Platte,”Gold Elephant : Cherry Alligator”  und “No Sleep”, die gleichzeitig die ersten Singles waren, sorgen eher für einen WTF-Moment, also so richtig mitzureißen.

Dabei muss man schon Attitüde haben um einen Song voller nonsense Texte “Gold Elephant : Cherry Alligator” zu nennen. Der Opener hat wohl therapeutischen Charakter für die Band, die hier einfach eine Demo völlig unbearbeitet an den Anfang ihres Longplayers gestellt hat. Für den Hörer hat die Nummer jedoch eher B-Seiten Qualität. Hat man die ersten beiden Titel erst einmal überstanden, entwickelt sich “GLA” zu einem ziemlich passablem Rock-Album.

Neben einigen Durchschnittstiteln, wie z.B. den Glam Rock Nummern “You’re The Devil” und “Valhalla”,  hat die Platte auch ein paar Perlen im Angebot. Zum einen ist da “Ex El” mit einem für Twin Atlantic unüblichen Synthie-Intro, das direkt aus der Netflix-Serie “Stranger Things” entlehnt sein könnte. Währen sich der Song zum großen Finale aufbaut , schwört McTrusty gebetsmühlenartig “I can change”. Es wirkt fast wie eine Entschuldigung an die Hörer, die von “Great Divide” so enttäuscht waren.  Zum anderen kommt “A Scar To Hide”, die einzige Ballade auf dem Album, herrlich unprätentiös daher. Eine Akustikgitarre und ein Cello, gespielt von Gitarrist Barry McKenna, reichen hier vollkommen aus.

No Sleep ’till Glasgow

Der Lead Single “No Sleep” entsprechend gibt es ansonsten keine Verschnaufpausen auf “GLA”. Ob McTrusty sich nun durch das Glasgower Nachtleben singt (“The Chaser”), aufs Leben schwört (“I Am Alive”), ins Grübeln gerät (“Overthinking”) oder seinem schottischen Akzent huldigt (“Mothertongue”), gehen die Songs nach vorn. Die Produktion, und damit das ganze Album, ist roh und ungeschliffen, sodass Twin Atlantic, zumindest klanglich, tatsächlich noch einmal in die Nähe ihres 2009er Minialbums “Vivarium” rücken. Na also, geht doch.

Twin Atlantic sind älter geworden, aber nicht ruhiger. “GLA” ist vielleicht kein herausragender Genrevertreter, Fans Britischer Rockmusik können hier jedoch getrost zugreifen.

Stream: Twin Atlantic – No Sleep



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Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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