Paramore – After Laughter

von am keine Kommentare
Quietschig bunt, poppig aber kein bisschen leise – das ist Paramore im Jahr 2017. Eigentlich hatten wir nicht mehr daran geglaubt, dass die Band sich noch einmal zusammenrauft, doch völlig unerhofft legen sie mit “After Laughter” ein ordentliches Popalbum vor.
Paramore Pressefoto Lindsey Byrnes

©
Lindsey Byrnes

“After Laughter” – wer zuletzt lacht, lacht am besten

“For all I know, the best is over and the worst is yet to come”, die erste Zeile aus der Auskopplung “Told you so” hört sich an wie ein Statement zur Bandgeschichte Paramores, die in den vergangen Jahren von Rechtsstreits überschattet wurde. Das Line-Up-Karussel von Paramore hat sich seit dem 2013er Album fröhlich weitergedreht. Gründungsmitglied Zac Farro nun wieder an den Drums, nachdem er, zusammen mit seinem Bruder Josh, die Band 2010 verlassen hatte. Damit ist Gitarrist Taylor York nicht nur der einzige durchgängige Musiker an Williams Seite, sondern auch ihr Haupt-Songwriting-Partner.

An eine Rückkehr zu den Wurzeln ist hier aber keineswegs zu denken. Wie schon Fall Out Boy und Panic! at the Disco vor ihnen haben auch Paramore den Pop-Punk-Mantel ihrer Jugend endgültig abgelegt und sich als Popact neu definiert. Diese Entwicklung hat sich auf dem selbstbetitelten 2013er Vorgänger bereits abgezeichnet, dem “After Laughter” klanglich noch am nächsten steht.

Paramore: der Pop steht ihr gut

Die musikalische Entwicklung findet sich auch im äußerlichen Auftreten der Band wieder. So ist es wenig verwunderlich, dass Fronfrau Hayley Williams mit ihren wasserstoffblonden Haaren mittlerweile eher Cindy Lauper oder Debbie Harry als ihrem jüngeren Emo-Punk-Ich ähnelt. Emotional sind ihre Texte jedoch wie eh und je, worauf bereits Songtitel wie “Hard Times”, “Grudges” oder “Fake Happy” hindeuten. Happy sad ist wohl die treffendste bezeichnung für diese Stücke, deren nachdenkliche Themen von bekömmlichen Popmelodien umspült werden.

“Idle Worship” und “Fake Happy” zeigen noch die stärksten Bezüge zu Paramores Pop Punk-Vergangenheit. Aber Hayley William ist erwachsen geworden, mittlerweile verheiratet, und ihre bunten Frisuren gehören der Vergangenheit an. So spielt “26”, ihr Alter als die den Song schrieb, auf eine Zeile aus “Brick by boring Brick” vom 2009er Album “Brand New Eyes” an und formt sie den aktuellen Gegebenheiten entsprechend um (“And I’ve been chasing after dreamers in the clouds After all wasn’t I the one who said to keep your feet on the ground”).

Williams’ Stimme zeigt jedoch keine Alterserscheinungen. Ihr facettenreiches Spektrum wird zum Glück nur selten durch Syntheziser beeinflusst und kommt auf “Idle Worship” oder der Ballade “Tell Me How” besonders zum Tragen. “After Laughter” vermittelt eine erfrischende Leichtigkeit gepaart mit gewohnt gutem Songwriting. Ob man das jetzt als authentisch einstuft oder nicht, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Die Songs strahlen die Zuversicht und das Selbstvertrauen einer Band aus, die sich selbst beinahe aufgegeben hat und es zum Glück doch nicht getan hat.

Paramore – Hard Times



vorheriger EintragMando Diao - Good Times nächster Eintragalt-J - Relaxer

Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *