Panic! At The Disco – Pray For The Wicked

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Mit “Pray For The Wicked” veröffentlichen Panic! At The Disco, deren Kopf und mittlerweile einziges Mitglied Sänger und Songschreiber Brendon Urie ist, ihr sechstes Album. Wir haben für euch reingehört.
Panic! At The Disco Pressefoto von Jimmy Fontaine

© Jimmy Fontaine

Wenn man plötzlich das neue Album von Panic! At The Disco in den Händen hält und feststellt, dass das Debüt der Band schon 13 Jahre auf dem Buckel hat, kann man sich schon mal alt führen. So muss es wohl auch Brendon Urie gehen, Kopf und mittlerweile einziges vollwertiges Mitglied der Truppe aus Vegas, wenn er seine “Roaring 20s” Revue passieren lässt.

Panic! At The Disco und der Musicaleffekt

Das Album mit dem hochtrabenden Titel “Pray For The Wicked” entstand nachdem Urie einige Wochen lang die Hauptrolle in Cindy Laupers Musical “Kinky Boots” innehatte. Auch ohne das Stück zu kennen, merkt man doch den Einfluss, den der Broadway auf den Panic-Frontmann unweigerlich gehabt haben muss.

So erscheint die Platte, zumindest musikalisch, wie aus einem Guss, was aber auch heißt, dass sich die einzelnen Songs wenig voneinander abheben. Radiotauglich ist “Pray For The Wicked” aber allemal und Singleauskopplungen “(Fuck A) Silver Lining”, “Say Amen (Saturday Night)” und “High Hopes” dürften auch schon mal als Hintergrundmusik für amerikanische Sportwerbespots herhalten können.

Pray For The Wicked ist Opium für das Volk

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Uries religiösen Wurzeln (Urie stammt aus einer Mormonenfamilie) sucht man trotz des Albumtitels leider vergebens. Zwar beschäftigt sich “Say Amen” zumindest oberflächlich mit dem Thema Religion, eine tiefe Bedeutung oder große Lyrik braucht man hier jedoch nicht zu erwarten.

Wie schon die beiden letzten Panic-Alben ist auch “Pray For The Wicked” eindeutig im Pop angesiedelt und bedient sich hier und da Elementen aus Jazz (“Roaring 20s”), Funk (“Dancing’s Not A Crime”), Hip Hop (“Old Fashioned”) und Stadion-Rock (“High Hopes”). Ohne Bläser und Fanfaren geht hier fast nichts. Der Still von Produzent Jake Sinclair, der auch beim Vorgänger an den Reglern saß, ist kaum zu überhören.

Vielleicht sollte Urie sich öfter an reduzierten Balladen wie “Dying in LA” versuchen, denn das allein vom Klavier begleitete Stück sticht aus der poppigen Masse heraus und zeigt, dass der Panic-Frontmann auch ohne Effekte eine fantastische Stimme hat. Von dieser Ausnahme abgesehen, ist das sechste Album von Panic! At The Disco endgültig eine Einmann-Show geworden, die zwar unterhaltsam aber leider wenig innovativ is.

Video: Panic! At The Disco – Say Amen (Saturday Night)



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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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