Von Wegen Lisbeth – Grande

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Für Von Wegen Lisbeth geht es steil bergauf.  Nachdem sie im Vorprogramm von AnnenMayKantereit und Element Of Crime zu sehen waren, folgte der Major-Label-Vertrag und damit nun das Debütalbum “Grande”. Kann die Platte ihrem Namen und den hohen Erwartungen gerecht werden?
Von Wegen Lisbeth Pressefoto Marian Lenhard

© Marian Lenhard

Auch wenn Von Wegen Lisbeth erst seit 2012 besteht, macht der Kern der Band schon seit Schultagen gemeinsam Musik. Zunächst machten sie Punk, dann Ska und schließlich Gameboy-8-Bit-Musik. Seit 2012 sind sie zu fünft und als Von Wegen Lisbeth unterwegs. Vor einem Jahr waren die Berliner mit ihrem Auftritt bei der Fête de la Musique quasi noch ein Geheimtipp. Seit den Aufritten mit AnnenMayKantereit und Element Of Crime sollte damit aber Schluss ein.

Zwischen Indie-Geschrammel und funky Beats

Dass die Jungs auf Bilderbuch stehen und sich von ihnen eine Scheibe abgeschnitten haben, ist nicht zu überhören. Die Songs bewegen sich elegant zwischen quirligem Indie-Geschrammel (“Bitch”, “Sushi”, “Freigetränke”) und zackigen funky Beats (“Chérie”, “Wenn du tanzt”, “Milchschaum”). Neben dem klassischen Gitarre-Schlagzeug-Bass-Setup nehmen Von Wegen Lisbeth alles Mögliche in die Hand, was man vielleicht nicht einmal als Musikinstrument bezeichnen wurde, z.B. das Regenbogenachttästler (buntes Metallophon), ein japanisches Omnichord (elektrische Harfe) oder eine Steeldrum.

Wehwehchen bürgerlicher Studenten

Auch die Vergleiche mit AMK muss sich das Quintett wohl gefallen lassen (und wird sich kaum daran stören). Genau wie ihre Kölner Kollegen besingen sie Mädchen, Trennungsschmerz und sonstige Wehwehchen bürgerlicher Studenten. Erfrischend ist hingegen, dass sie sich dabei nicht immer so ernst nehmen und sinnbildlich für ein schlechtes Date iPhones besingen, die in den Landwehrkanal fallen (“Chérie”), oder feststellen, was wir alle schon längst wussten, dass Becks Ice “zu hause genauso nach Brause” schmeckt wie hier (“Becks Ice”).

Aber bring nie wieder deine neuen Freunde in meine Kneipe.

Zwischen Autobahn und Penny ist die Romantik dann auch irgendwie tot (“99 Probleme und du bist jedes davon” – “Drüben bei Penny”) und es wird auch mal ein bisschen auf die Kacke gehauen (“Meine Kneipe”, “Bitch”). Eine politische Band wollen sie nicht sein, aber auch “Der Untergang des Abendlandes” wird dann mal eben durch den Kakao gezogen. Dass sie auch mal ernst sein können, zeigen sie auf der Ballade “Bärwaldpark”. Der Wortwitz von Sänger Matze lässt einen immer wieder schmunzeln ohne an der Fremdschäm-Grenze zu kratzen.

“Grande” ist wirklich ein großes Ding geworden. Die Platte ist rund, die Beats und Riffs sitzen und die pointierten Texte sind auch beim xten Mal hören noch amüsant. Musikalisch ist das sicher keine Neuerfindung, muss es aber auch nicht sein. Mit “Grande” präsentieren uns Von Wegen Lisbeth ein erfrischendes sommerliches Album, das wir auch am Ende der warmen Jahreszeit sicher noch gerne auflegen werden.

Video: Von Wegen Lisbeth – Meine Kneipe



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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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