Villagers – Where Have You Been All My Life?

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Was ist ein Album, das eigentlich die Essenz einer vergangenen Tour einfängt, ohne aber bei  einer einzigen Liveshow aufgenommen zu sein? Und das ganz altes mit neuem Material, wie ein “Best Of” endlich auf eine Platte bringt, sich aber die Freiheit nimmt, die Arrangements teilweise stark zu verändern und der Musik so einen komplett neuen Stil zu geben? Auf ihrem neuen Album “Where Have You Been All My Life?” ignorieren Villagers ungerührt die sonst so gängigen Schubladen.
Villagers Where Have You Been All My Life?

© Andrew Whitton

Take it as it comes

Anfang 2015 gingen Villagers mit ihrem dritten Studioalbum “Darling Arithmetic” auf Tour. Ein Album, bei dem Conor O’Brien schon einmal erfolgreich mit vermeintlich gesetzten “Regeln” des Musikbusiness brach, indem er seine eingespielten Demos direkt zum Mastering gab – also 9 Songs, ohne Engineering, ohne jegliche Studioarbeit direkt in die Regale der Plattenläden stellte.

Auf der Tour arrangierte er mit seiner Band auch Material von alten Alben neu, damit sie in das intimere, intensivere Set von “Darling Arithmetic” passten, und verliebte sich scheinbar neu in seine Musik.

Eben dieses Gefühl fangen Villagers auf “Where Have You Been All My Life?” ein, als sie, nach Abschluss der Tour im Juli, ins Studio gehen und 18 Songs, aus dem Set der Tour, innerhalb von nur zwei Tagen für das Album einspielten – dabei sind alle Aufnahmen entweder im ersten, oder zweiten Take entstanden und auch dieses Mal blieben sie unberührt von jeglicher Studiotrickserei. Am Ende wählten Villagers 12 Songs die es auf die Platte schaffen sollten. 12 Songs, die wohl am besten irgendwo zwischen der Lässigkeit von Jack Johnson und der atmosphärischen Dichte von Bon Iver einzuordnen sind und sich Zeit nehmen. Voll von langsamer aber trotzdem bestimmter Dynamik, von poppigen Melodien und Texten über die Liebe und ihr Dahinscheiden. Doch in der Romantik der Idee, der unbearbeiteten und echten Musik, liegt auch die Gefahr neben Spannungshöhepunkten wie “The Waves” ein wenig ins Geplänkel abzudriften, die Sounds zu roh zu lassen und hier und da an Dichte und Atmosphäre einzubüssen – manchmal ist weniger einfach weniger.

Das Streben nach Schönheit

“Where Have You Been All My Life?” ist kein “Best Of” und auch kein klassisches Live-Album, sondern viel mehr ein Update von altem Material auf den neuen Sound von Villagers. Es ist eines dieser unaufdringlichen Alben, die oft im Rauschen untergehen, aber beim genauen Hinhören eine unheimliche Spannung erzeugen können. Und eines der Alben, das nicht nach unendlicher Aufmerksamkeit und Perfektion, sondern nach echter Schönheit zwischen poliertem Zeitgeist und getragenen Balladen sucht.

Video: Villagers – Memoir

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und ich habe in den letzten 10 Jahren fast alle erdenklichen Genres geliebt, gehasst und feierlich für nicht relevant befunden - neuerdings lasse ich mich darüber jetzt auf meinem Blog reissnadel.com aus. Nebenbei studier ich irgendwas mit Flugzeugen und fahre eine wunderschöne 30-jährige Schwalbe!

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