The 1975 – I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It

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Seit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debüts haben The 1975 einen enormen Erfolg zu verzeichnen. Aber “braucht” die Welt ihr Zweitlingswerk (Achtung, Luft holen!) “I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It” wie Sänger Matt Healy kürzlich behauptete?
The 1975 Presse

© The 1975 / Universal

Der flamboyante The 1975 Frontmann Matt Healy hat die besten Vorraussetzungen für einen Rockstar: Aussehen, Outfits, eine tattowierte Hühnerbrust, eine Menge Haare und Drogen. Trotzdem weiß man nie so recht, was davon der Wahrheit entspricht und was nur Show ist. “It’s not about reciprocation, it’s just all about me / A sycophantic, prophetic, Socratic junkie wannabe” singt er in “The Sound”. Seine Lyrics zeigen, dass er sich seiner Rolle als wandelndes Cliché bewusst ist, die er jedoch in vollen Zügen genießt.

The 1975 – Boyband oder Rockstars?

Überhaupt sind es die teils schrulligen, teils cleveren Texte, kombiniert mit einer ungebrochenen Liebe für die Popmusik der 80er Jahre, wegen derer man The 1975 eben nicht einfach als Boyband abtun kann. In “She’s American” spricht Healy über die kulturellen Differenzen mit einer amerikanischen Geliebten (“If she says I’ve got to fix my teeth / Then she’s so American”) während “UGH!” von seiner mittlerweile überwundenen Kokainsucht handelt (“And you’re the only thing that’s going on in my mind / Taking over my life a second time”).

Healy hat ebenso Freude daran sich selbst zu zitieren. So z.B. in der Entliebungs-Ballade “Change Of Heart”, die gewissermaßen eine Fortsetzung von “Robbers” vom Debütalbum ist (“You used to have, a face straight out of a magazine / Now you just look like anyone / I just had a change of heart”). “She’s American spiegelt Phrasen und Akkorde aus “Settle Down” wieder und “Love Me” erinnert an “Girls” um nur einige zu nennen. Währen diese Anspielung natürlich Absicht sind, leiden einige Songs darunter, dass sie ihrem eigenen Material zu ähnlich klingen.

Pink ist das neue Schwarz

The 1975 sind da am stärksten, wo sie sich die die Musik der 80er Jahre komplett zu eigen machen und mal nach Duran Duran (“The Sound”), Tears For Fears (“Somebody Else”) oder sogar Bowie (“Love Me”) klingen. Diese Titel passen auch bestens zur ihrem neuen pinken Image für das sie ihre schwarz-weiß Ästhetik aufgegeben haben.  Neben all dem klebrig-süßen Pop endet das Album mit zwei nachdenklichen Akustik-Balladen. Mit “Nana”, über Healys verstorbene Großmutter und “She Lays Down”, über die postnatale Depression seiner Mutter, zeigen sich The 1975 von einer erfrischend reifen Seite.

In der Mitte wirkt die 75 Minuten Platte irgendwie chaotisch. Sei es das Gospel-artige “If I Believe You”, den kurzen Ausflug in Healys Kopf (“The Ballad Of Me And My Brain”), den R&B/Electro Mashup “Loving Someone” oder die langen vor sich hin plätschernden instrumentalen Songs wie “Please Be Naked” und der Titeltrack. Mit 12 anstelle von 17 Songs wäre das Album wesentlich runder geworden.

“I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It” ist ein unverhohlenes Popalbum voller Ambitionen, das teilweise so überladen ist wie sein barocker Titel.

Video: The 1975 – Love Me

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.