Drangsal – Harieschaim

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Max Gruber, der Mann hinter Drangsal, wird von der Fachpresse schon seit seinen ersten musikalischen Gehversuchen 2013 als Geheimtipp gehandelt. Mit seinem Debütalbum „Harieschaim“ wird sich zeigen, ob Drangsal dem Hype gerecht wird.
Drangsal Press Shot Jim Rakete

© Jim Rakete

Die 80er Vorbilder sind mehr als deutlich auf „Harieschaim“, ein Jahrzehnt in dem Gruber noch nicht einmal das Licht der Welt erblickte. Er selbst behauptet von sich nie wirklich Joy Division oder The Cure gehört zu haben. Ja nee, is klar. Bleibt eigentlich nur eine Erklärung: Drangsal hat die Musik mit der sprichwörtlichen Muttermilch aufgesogen.

„Harieschaim“, das ist nicht etwa eine Stadt in Israel sondern ist Dialekt für Herxheim, dem Heimatort Grubers, der mittlerweile natürlich nach Berlin umgesiedelt ist. Kennt ihr nicht? Macht nichts. Doch hier fing alles an. Grubers Vater, Wirt einer lokalen Kneipe, nahm oft Mixtapes für seine Gäste auf, von denen der kleine Max offensichtlich schon früh profitierte.

Geschichten von Drangsal und Ingrimm

Die 10 Titel auf „Harieschaim“ gehen nahtlos ineinander über und das Tempo wird nur selten reduziert. Die Songs sind tanzbar und bleiben im Ohr. Der Opener „Allan Align“, einer der wenigen bisher veröffentlichten Titel, gibt den Ton an. Grubers Stimme ist dominant, seine Texte frei von der Leber, wenn auch nicht unbedingt tiefgründig („Let’s do the dominance dance“). Spannend ist der Wechsel zwischen deutschen und englischen Texten, die dann auch gern mal deutsche Titel tragen („Der Ingrimm“, „Hinterkaifeck“). Das erinnert natürlich an NDW aber auch I Heart Sharks könnten hier Pate gestanden haben. Was Drangsal mit „Harieschaim“ hinlegt ist im Kern zwar nicht neu, aber konsequent und lückenlos umgesetzt.

Den Kopf voller Pflastersteine

Gruber sagte kürzlich in einem Interview mit Noisey, dass er sowohl Razz als auch Jazz hasse, was doch gleichermaßen ignorant wie ironisch klingt. Diese großmäulige Attitüde legt er auch in seiner Musik an den Tag („Ich hab den Kopf voll mit Pflastersteine weil du nie kapierst was ich meine“) und das ist etwas, dass nicht nur Drangsal sondern auch der deutschen Musiklandschaft zu Gute kommt. Drangsal ist eine willkommene Alternative zur Altbau-Romantik von AnnenMayKantereit, dem Bums-Fallera-Pop á la Wanda oder der Klaps-auf-den-Po Kirmes von Romano.

Video: Drangsal – Allan Align

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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