Augustines – This Is Your Life

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Binnen vier Jahren präsentieren die Arbeitstiere Augustines bereits ihr drittes Album. This Is Your Life heißt die Platte – melodisch nehmen wir von der Ansage aber lieber Abstand.
Augustines Presse 2016

© Caroline

Quer durch den Süden der USA und Mexiko reiste Billy McCarthy auf seinem Bike im vergangenen Jahr. Keine Karte dieser Welt kannte sein Ziel. Nach dem rasanten Aufstieg seiner Band Augustines, aus den Straßen Brooklyn’s in die ganze abgefuckte Welt da draußen, brauchte er Reduktion. Das wesentliche Spüren, einfach runterkommen oder wie man seid Amy sagt – Rehab. Verübeln kann man ihm das nicht. Vor allem nicht wenn man anschließend die komplette Reise in ein Set transportiert und auf die Bühnen dieser Welt bringt. Charmant wie immer natürlich.

Die Macher des positiven Klagelieds

Gerade gute vier Jahre ist es her, dass die Augustines (damals noch We Are Augustines) mit ihrem Debüt “Ryse Ye Sunken Ships” auf der Bildfläche erschienen. Gerade einmal vier Jahre sind auch die folgenden Zeilen alt – “Heller, blauer Himmel und frohlockende Bläser – so, wie We Are Augustines ihr Debütalbum eröffnen, besingt man nur zwei Dinge: das Paradies oder sein Gegenteil.” – Viel treffender hätte Jana Fischer, ihres Zeichen Rezensentin bei Plattentests.de, wohl kaum dieses Debüt beschreiben können. Meteoritenhaft, überschwemmend, voller Hymnen und Theatralik schwamm Billy McCarthy’s Stimme 45 Minuten lang über 12 Songs. Es waren Klagelieder, die streckenweise kaum positiver hätten sein können. Das war Musik von neben an, greifbar, normal und trotzdem besonders.


Vier Jahre später und um ein Zweitwerk reicher liegt nun “This Is Your Life” auf dem Plattenteller und was soll man sagen – das Album ist wohl das unerwarteste was man sich bei den Augustines hätte vorstellen können. Schon die ersten Zeilen des ansonsten tollen “Are We Alive” gibt die komplette Stimmung des Albums wieder – “Are We Alive? Or Are We Just Kidding Ourselves?” Mit einiger Verspätung haben die Augustines nun Keyboard und Drumcomputer entdeckt. Das was vor zwei Jahren so viele im Indie als den neusten hippen Scheiß bezeichnet haben. Django Django können das bspw. in Perfektion, aber die Augustines? Das durchaus angenehme “When Things Fall Apart” lässt man sich in der Form zumindest noch als einen Augustines Song schmecken, vor allem wenn McCarthy ins Mikro schmachtet. Die dann folgenden 35 Minuten kommen aber einem Totalausfall gleich.

Bitte Billy, hör auf uns zu veralbern

Der schlecht beleuchtete Weg aus “The Forgotten Way” wäre vielleicht lieber unentdeckt geblieben. Viel zu flimmerhaft und wimmernd werden die einzelnen Songs angepackt. Hinter jeder Ecke lauert das nächste Schreckgespenst, manchmal nur mit einem weißen Laken überm Kopf und manchmal armeindieluftreißend als Background Tänzer in “Running In Place”. “May You Keep Well” erinnert an Depeche Mode die die Beache Boys covern. Irgendwie kommt man nicht umher weiter zu skippen. Verzweifelt sucht man nach den Augustines oder zumindest nach den griffigen Gitarren und den mitreißenden Hooklines. Erst Song Nr. 8 “No Need To Explain” bringt dann wieder ein wenig Licht ins Dunkle. Puh, noch einmal Glück gehabt, da ist sie wieder die unerschütterliche Gewalt in den Songs. Das merkt man auch am tollen “This Is Your Life” – die Augustines leben also noch.

Wie war das am Anfang noch? “Are we alive? Or are we just kidding ourselves?” – so insgeheim, vor allem weil man die Augustines über die vorherigen beiden Alben so lieb gewonnen hat, hofft man wirklich “This Is Your Life” ist nur ein kleiner Scherz. Leider findet sich aber auch nach mehreren Durchläufen kein Hidden Track mit dem Namen “Joke”, “Prank” oder ähnlichem. Ernst gemeint also. Hoffen wir nur, dass es für die Augustines nicht weitergeht wie in “Are We Alive” – “…just kidding ourselves, I’m terrified of being alone.”

Augustines – Are We Alive

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Hi, ich bin Philipp ...

ich kann mich wochenlang mit dem selben Song beschäftigen und trotzdem jeden Tag neues entdecken. Mein Herz schlägt für gutes Essen und noch besseres Bier, am besten kurz vor einem Konzert. Meine große Liebe ist aus Stahl und ca. 35 Jahre alt. Auf ihren zwei Rädern ist sie rasend schnell. Hin und wieder zieht es mich nach Skandinavien, da ists immer so schön kühl. Und immer mit dabei ist der Soundtrack Of My Life gespickt mit Songs von Death Cab For Cutie, Foals, Nada Surf u.v.m. Olé Olé FCB

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