Der Ringer im Interview – Sieger der Herzen

von am keine Kommentare
Achtung Achtung, es folgt ein absoluter Geheimtipp aus dem schönen, schönen Hamburg – tätärä, der Ringer! Mit ihrem neuen Album „Soft Kill“ haben die fünf Jungs ne Platte geschaffen, die alle Geschmäcker und alle Bands, die wir lieben, vereint. Hui, was will man mehr. Allerdings ist es auch kein Wunder, dass ihr Album zum Dahinschmelzen ist… Erzogen wurden sie mit Rio Reiser und Tocotronic und haben sich später von Bands wie the Notwist oder The Whitest Boy Alive beeinflussen lassen – so kann’s laufen, wenn man seinem eigen Fleisch und Blut bereits in frühster Kindheit einen fabelhaften Musikgeschmack eintrichtert! Wir haben vor einiger Zeit mit den Jungs geplauscht und nachgehakt, was sie eigentlich zur Musik getrieben hat (…)
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© Marcus Alexander Voigt

Der Ringer im Interview – Identitätssuche und Digitalisierung

Jede Band, egal wie groß und wie erfolgreich sie ist, hat irgendwann mal klein angefangen – die Truppe “der Ringer” hat sich in ihrer Schulzeit über MySpace kennengelernt, damals hat man sich noch über coole Profilsongs dargestellt: fünf coole Jungs, fünf coole Songs, Liebe auf den ersten Blick. Da sie eh Bock hatten, Musik zu machen, zufällig auch noch alle aus der gleichen Stadt kamen, nahm die Bandgeschichte ganz von allein ihren Lauf (…) Bis zum Album hat’s dann ganze acht Jahre gedauert, in denen sich viel verändert hat – heute besteht die Band aus Jonas, Jakob, Jannik, David und Benito.
Jannik und Benito waren so lieb und haben mir einige Fragen bezüglich ihrer neuen Platte „Soft Kill“ beantwortet:

Nele: In eurer Texten schneidet ihr Themen wie Identitätssuche und Digitalisierung an, warum ist es euch so wichtig, darüber zu singen?

Benito: Das sind Dinge, die einen einfach umgeben. Es war nicht so, dass wir einen Songtext über digitale Welten schreiben wollten, man zieht ja aus dem Alltag Inspiration und abstrahiert das. Wir sind genauso oft in digitalen Welten unterwegs wie in realen und das war keine aktive Entscheidung, sondern ein ganz natürlicher Prozess.

„Wir wollen uns selbst treu bleiben“

Nele: Hauptinspirationsquelle ist also schon das alltägliche Leben?

Jannik: Ne, das wär’ langweilig, man sucht sich schon irgendwelche Thematiken aus, aber was dann daran halt Einbezug findet ist das alltägliche leben, es sind ja schon Geschichten, die wir uns ausdenken. Also eben Dinge, die man im Alltag aufgreift oder sieht und dann führt das einen in ganz andere Welten und darüber schreibt man dann. Bei „Orbit“ zum Beispiel war Teilchenbeschleunigung der Anlass, einen Text darüber zu schreiben. Das war auch eine Art Experiment, ob man das in einen romantischen Zusammenhang bringen kann, so ein spielerischer Ansatz quasi.

Nele: Teilchenbeschleunigung kombiniert mit Romantik, interessant… Inwieweit passt „Orbit“ zu den anderen Tracks auf Eurer Platte, hattet ihr einen roten Faden für „Soft Kill“?

Jannik: Eigentlich nicht. Wir haben ganz normal Songs geschrieben, ohne mit nem roten Faden daran zu gehen und im Nachhinein ist eigentlich eher rausgekommen, dass das alles miteinander zusammenhängt. Wir wollten kein Konzeptalbum machen, aber schlussendlich ist es irgendwie eins geworden.

Als ich die Jungs nach ihren Hoffnungen und Wünschen bezüglich ihrer Bandkarriere frage, waren sich alle ziemlich einig: sie wollen voll und ganz hinter dem stehen können, was sie machen, sich selbst treu bleiben und möglichst viele Menschen mit ihrer Musik erreichen.

Jannik: Was ich mir wünschen würde wäre, dass wir mit unserer Musik ein größeres Publikum erreichen würden, was aber auch über den Punk-Indie Bereich hinausgeht und dass es irgendwie in so ne Poprichtung geht. Wir wollen eben keine Musik machen, die für eine ganz bestimmte Nische ist oder so, sondern am besten soll sie viele Leute anstacheln. Andererseits gut, wer wünscht sich das nicht. Ist denke ich ein ziemlicher Standardwunsch. Es gibt aber auch Bands glaube ich, die andere Ansprüche haben.

Benito: Na ich denke schon, dass wir Musik machen, weil wir mit der Musik aus Deutschland nicht so zufrieden waren.

Jannik: Der Standard ist einfach extrem niedrig.

Benito: Ja genau, auf Text wird sehr viel Wert gelegt, aber musikalisch stagniert das sehr stark und ich glaube, da wäre es für uns auf jeden Fall schön, wenn man merken würde, dass das was wir machen als was Anderes, Neues wahrgenommen wird und tatsächlich in irgendeiner Form die Musiklandschaft beeinflusst.

Der Ringer – Orbit

Nele: Welchen Song habt ihr denn am liebsten aus Eurem Repertoire?

Jannik: Ich glaub’, das wechselt. Gerade mag ich von der Platte auf jeden Fall “Ohnmacht” am liebsten.

Benito: Naja, es gibt auf jeden Fall Songs, die funktionieren hauptsächlich auf der Platte. „Knochenbrecher“ zum Beispiel funktioniert auch auf jeden Fall live besonders gut, das ist auf jeden Fall ein Konzertsong. Für mich war Mikroskop so ein Lieblingssong, aber ich meine, man wird ja als Band mit den eigenen Songs so dermaßen zugekegelt, dass man da einfach ständig wechselt.

Jannik: Ja, schon 2000 Mal gehört…

Benito: Erst hört man’s ja 1000 Mal, um es noch zu verbessern und dann hört man’s 1000 Mal, um zu gucken, ob man irgendwas verkackt hat.

“Ein größeres Lob als weinen kann es nicht geben” – Benito, der Ringer

Jannik: Vielleicht noch 1000 mal, wenn man’s mag.

Benito: Und ich hoffe, dass es den Zuhörern genauso geht, dass sie neue Sachen entdecken und nicht nach zweimal hören denken, dass es nervt.

…Nerven tut „Soft Kill“ definitiv nicht. Der Ringer wollen die deutsche Musikszene umkrempeln und beweisen, dass auch Indie Fans Punk toll finden können, dass ein fettes Basssolo romantisch sein kann und auch Texte über Teilchenbeschleunigern Spaß machen können! In München haben sie es sogar geschafft, einen Mann zum Tränen zu rühren (…)

Benito: Das ist eigentlich schon das größte Lob für Musik für mich, wenn man anfängt, dabei zu weinen. Und das passiert mir persönlich auch ganz selten, aber es passiert.

…Und wenn es passiert, dann kannst Du Dir als Musiker sicher sein, dass Du alles richtig gemacht hast!

Platten, die Benitos und Janniks Meinung nach in jeden Plattenschrank gehören:

„Deafheaven“ mit „Sunbather“
„I am Jeffrey“ von „Yung Thug“

Diskografie:
2017 “Soft Kill”

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Hi, ich bin Nele ...

Nichts drauf außer Zahnbelag.

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