Cosby – Wer stehen bleibt, verliert!

von am keine Kommentare
Es ist August, die letzten schönen Sommertage gehen gerade zu Ende und ich treffe die Münchner Indie-Synthiepoper von Cosby beim gemütlichen Augustiner im Berliner Tiergarten, gemeinsam mit einigen Enten und einem neugierigen Kaninchen.
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© Cosby

Cosby ist eine Selfmade Band. Rein die Liebe zur Musik und der Glaube an ihr Talent hat sie dahingebracht, wo sie nun stehen – DIY at it’s best! Gemeinsam mit Marie (Gesang, Piano), Kilian (Bass), Robin (Schlagzeug) und Christoph (Synthesizer, Gitarre) unterhalten wir uns über ihr Debüt-Album, welches am 28.08. erscheint, das letzte Jahr seit der Veröffentlichung ihrer EP und ihren Plänen. Momentan sind sie viel unterwegs, kamen gerade von einem Fernsehauftritt bei Joiz und waren schon quasi halb auf dem Weg nach Leipzig zu einem Radioauftritt. Wir sind sehr froh, dass die sympathischen Münchner Zeit für uns fanden.

herzmukke: Hi Cosby, wie geht es Euch?

Marie und Robin: Sehr gut, vielen Dank! Es ist echt toll hier. Wir waren noch nie im Tiergarten – echt schön hier.

Kilian: Ich war schon mal hier, aber na ja eigentlich eher im Zoo.

Seid ihr gerne in Berlin?

Marie: Ach, wir sind sehr gerne in Berlin. Berlin ist einfach vielseitig. Berlin ist belegt, Berlin hat wunderschöne Flecken und zum Teil ist Berlin einfach verrückt. Erst ist die Gegend super schick und dann geht man um eine Ecke und plötzlich gibt es Bars, Kneipen und dann irgendwann, wenn man die Straße weiter geht, denkt man sich – ok, hier brauche ich jetzt wirklich nicht weitergehen.

Robin: Berlin hat eine krasse Aura. Es ist hier so viel passiert und es passiert ständig viel. Nicht nur geschichtlich, sondern auch musikalisch passiert einfach sehr viel. Wenn wir in Berlin sind, haben wir immer das Gefühl, dass wir jetzt da sind, wo es gerade passiert. Es ist wie in London oder NY, nur das Berlin so nah ist, einfach greifbar. Wenn wir in München sind, haben wir nicht das gleiche Gefühl. Das kann natürlich auch daran liegen, dass wir dort wohnen.

Generell interessiert es mich als Berlinerin, was ihr uns in München – fernab von den Sightseeing-Highlights – empfehlen würdet.

Marie: Abseits vom Oktoberfest?

Ja, bitte!

Marie: Wir finden es wichtig, zu wissen, wo unser Essen herkommt. Da gibt es schon einige Cafes, welche wir euch dann empfehlen können. Das Glockenbachviertel generell ist sehr schick.

Kilian: Generell an der Isar ist es sehr schön. Das hat sich aber auch erst so in den letzten paar Jahren entwickelt.

Marie: Oh ja und in der Isar kannst du auch baden gehen.

Wir haben gar keinen Bauernhof

Apropos gesunde Ernährung. Ich habe gelesen, dass ihr Euern eigenen Bauernhof habt. Stimmt das?

Robin: Das ist echt lustig. Wir haben uns des Öfteren schon überlegt, wie es wohl so nach außen wirkt, wenn wir das erzählen. Also wir haben keinen Bauernhof.. Bei uns auf dem Hinterhof vom Studio gibt es einen alten 50m² großen Hundezwinger, welcher jetzt leer steht. Wir dachten uns einfach, wäre doch super, wenn wir unsere eigenen Hühner darin hätten. Aber wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass es einfach zu Zeit aufwendig für uns wäre. Wer soll sich um die Tiere kümmern, wenn wir unterwegs sind?

Zwischenzeitlich sind wir von Herta Fleischwaren, über Döner und generelle Tierhaltung endlich zur Musik gekommen…

Ich habe Euren Song „Boon and Bane“ im Mexx Werbespot wieder entdeckt. Wie war das denn für Euch, dass der Song dafür genutzt wurde?

Marie: Wir haben uns schon sehr gefreut, dass der Song dafür genutzt wurde.

Robin: Es ist halt super, dass der Song über Deutschland hinweg europaweit zu hören ist. Dadurch, dass wir englischsprachig singen, haben wir es eh in Deutschland ein wenig schwerer. Es ging uns weniger um die Marke, aber es war einfach toll zu wissen, dass wir gehört werden. Und darum geht es ja einem Künstler. Aber natürlich würden wir unsere Songs nicht jedem Produkt hergeben.

Bei Mexx wurde die Textzeile „I don’t care ’bout tomorrow, I only live for today.” von Boon and Bane benutzt. Mal ehrlich, geht das überhaupt? Bekommt ihr es hin, nicht sehr viel über die Zukunft nachzudenken?

Marie: Ein Stück weit muss man das, wenn man hört, was alles als Künstler/Musiker schief gehen kann. Du brauchst ja immer dieses kleine Fünkchen, an dem du dich festhalten kannst. Wir machen echt viel – wir sind im Studio, wir spielen Konzerte, wir haben einfach Bock, wir spielen echt gern. Aber du weißt ja nie, wie es morgen kommt. Es wäre einfach schön, wenn wir nur noch das machen könnten. Wir sprechen schon viel über Entscheidungen, wir sind ja keine Kinder mehr. Aber …

Robin: Aber darum geht es einfach in dem Song. Wir haben damit gezeigt, dass es wichtig ist, nicht nur an morgen zu denken, sondern einfach den Moment zu leben. Es ist wichtig, egal in welchen Alter man ist, einfach mal zu sagen – Ach ich lass es einfach laufen, ohne an die Konsequenzen zu denken. Klar wird es im Alter schwieriger. Aber dieses Gefühl sollte man sich ein kleines Stück behalten.

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© Cosby

Gab es den bewussten Moment bei euch, bei dem ihr euch für englische Texte entschieden habt?

Kilian: Ich glaube, wir können nicht sagen, dass wir uns direkt gegen deutschsprachige Texte entschieden haben. Wir haben uns einfach dafür entschieden, was uns am nahesten liegt. Klar, kann man sagen Deutsch liegt jedem am nahesten und ja, es gibt momentan viele, die vorher Englisch gesungen und jetzt auf einmal auf Deutsch singen. Da denken wir uns auch: Warum genau geht das jetzt auf einmal? Aber die Frage hat sich bei uns niemals gestellt. Wir alle hören englische Musik. Also Cosby, so behaupte ich, wird es niemals auf Deutsch geben.

Marie: Ja. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich auf Deutsch singen sollte.

Robin: Komm probieren wir es doch einfach mal.

Marie: Ja, genau. (lacht)

Christoph: Auch wenn momentan ganz gut die deutschsprachige Musik klappt, sollte man sich nie danach richten, was gerade Trend ist.

Marie: Es war einfach von Anfang an so. Wir haben uns wirklich nie die Frage gestellt. Ich habe schon als Jugendliche in meinem Kinderzimmer englischsprachige Lieder geschrieben.

Kilian: Ich kann mich auch an kein Lied erinnern, welches du jemals auf Deutsch gesungen hast.

Marie: Doch ein Lied gab es. Aber das würde ich nie vortragen. Das habe ich einfach nur geschrieben.

Euer Album erscheint diese Woche am 28.08. Was hat Euch zu den Titel „As fast as we can“ bewegt?

Robin: Wir haben uns einfach vom ersten Titel auf dem Album „As fast as you can“ inspirieren lassen. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, was passen könnte, was uns auszeichnet und wie wir wahrgenommen werden. Wir machen alles selbst und sind mit dem sehr schnell, sehr weit gekommen. Selbst finden wir, dass wir uns Zeit gelassen haben. Und das war einfach die Mischung aus dem Einen und dem Anderen, wo wir uns dachten, dass dieser Titel sehr gut passt.

Alles hat seinen Platz

Also denkt ihr persönlich gar nicht, dass ihr rückblickend im letzten Jahr irgendwas – also seit Erscheinung Eurer EP – anders gemacht hättet?

Marie: Das ist wirklich krass, wir denken das überhaupt nicht. Bislang haben wir das Gefühl, dass einfach alles das, was passiert ist, auch seinen Platz hat.

Kilian: Auch wenn mal was aus dem Bauch raus entscheiden. Irgendwie war es immer die richtige Entscheidung. Unsere Entscheidungen treffen wir auch immer im Konsens.

Ich durfte in Euer Album schon reinhören. Bei ein, zwei Liedern dachte ich sehr positiv überraschend „ohhh das könnte jetzt auch ein neues Lied von CHVRCHES sein“. Seid ihr mir über diesen Vergleich böse?

Marie:Ganz und gar nicht! Mit CHVRCHES lassen wir uns gern vergleichen. Es ist eine der Bands, die wir privat sehr gerne hören und ab und zu wurden wir auch schon mit denen verglichen.

Kilian: Ich finde den Vergleich auch schön. Immer wenn man mit einer Band verglichen wird, die man selbst gern hört, findet man das super.

Christoph: Ich habe den Vergleich ehrlich gesagt noch nicht so oft gehört.

Robin: Doch! Ich habe den Vergleich auch schon mal gehört. CHVRCHES hat sicherlich auch einen gewissen Einfluss auf uns. Einfach weil wir auch Synthies gerne mögen.

Wenn ihr an den NMA (New Music Award) denkt, jetzt mal fernab vom Wettbewerb, freut ihr euch einfach auch mal die anderen Bands zu treffen?

Robin: So viel Zeit hatten wir auch noch gar nicht, uns damit auseinanderzusetzen. Und um ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass so ein Contest immer wenig Sinn macht. Klar ist es ein netter Wettbewerb, aber wie will man wirklich Musik aus den verschiedensten Musikrichtungen miteinander vergleichen. Ich denke auch, dass es gar nicht so richtig um den Sieg geht, sondern eher darum, neue Musik zu zeigen und neue Bands vorzustellen und weil es einfach schöner ist, macht man einen Wettkampf draus. Das versteh ich auch total. Aber wir schauen uns jetzt nicht an, wer sind unsere Konkurrenten und wen müssen wir da in Grund und Boden spielen.

Euer Album steht kurz vor der Veröffentlichung, welche Resonanz erhofft ihr Euch und wohin soll es das restliche Jahr mit dem Album gehen?

Robin: Was jetzt ganz neu ist, ist, dass wir den Support von Mikky Ekko im September spielen. Nach Berlin ins Prince Charles werden wir in diesem Zuge auch kommen. Es gibt auch so noch Konzerte, die wir spielen werden. Es wird aber keine eigene Tour geben. Auch auf ein paar Festivals wie zum Beispiel das Nürnberg Pop werden wir spielen. Ja, so wird das Jahr erstmal ausklingen.

Marie, in einem Interview vor gut einem Jahr meintest du, dass du gern Balladen singst. Auf dem Debüt gibt es viele Uptempo Nummern. Wie gefällen dir nach dem einem Jahr die Uptempo Songs?

Marie: Ich weiß gar nicht genau, wie ich das damals gesagt habe. Natürlich kann ich mich auch super in die ganzen gute Laune-Songs versetzen. All unsere Lieder haben was leicht Melancholisches. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich immer mitgeschrieben habe. Daher finde ich, dass auch die gute Laune-Nummern eine leichte Melancholie in sich haben. Mir macht beides totalen Spaß. Und erst recht jetzt, wo wir viel live spielen, macht diese Abwechslung riesen Spaß. Bei Uptempo Nummern tanzen alle mit und bei Balladen hören eher alle nur – ja die Abwechslung, die macht einfach großen Spaß.

Mir ist auch aufgefallen, dass ihr im Social Network nicht so sehr viel unterwegs seid. Hat das einen bestimmten Grund?

Christoph: Also ich habe teilweise das Gefühl, dass einige Bands noch weniger machen. Ich finde gar nicht, dass wir so wenig unterwegs sind. Es ist einfach super, auf diese Art und Weise mit den Fans in Kontakt zu bleiben oder einfach zu informieren, was wir gerade tun, wo wir uns gerade befinden. Aber es ist für uns nicht der Mittelpunkt.

Kilian: Für uns muss am Ende des Tages einfach die Musik überzeugen. Ich höre keine Platten, nur weil die Bands viel netzwerken. Klar sollte diese Art der Kommunikation genutzt werden, um in Kontakt mit den Fans zu bleiben. Aber wir finden, dass eine gute Show, ein gutes Konzert viel wichtiger sind.

Sex, Drugs and Rock’n’Roll? So ist Bandleben nicht.

Habt ihr Euch das Leben als Band eigentlich vorher so vorgestellt?

Marie: Ich muss sagen, ich hatte mir das vorher gar nicht so richtig überlegt. Aber so wie es jetzt ist, finde ich es super. Das Bandleben ist natürlich nicht Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Aber das Leben will ich auch gar nicht leben. Wir stehen früh auf, arbeiten den ganzen Tag und schauen, dass wir was schaffen. Wir kommen oft erst spät nach Hause und sind viel unterwegs. Aber wir lieben das, was wir machen und daher strengt es auch nicht an. Das Livespielen, das sind die Momente, für die wir das alles machen. Es ist einfach toll, auf der Bühne zu stehen. Es ist eigentlich egal, wie viele Leute vor der Bühne stehen. Es ist immer toll.

Habt ihr einen all-time favorite Song und/oder eine all-time favorite Band. Gibt es Musik, die generell bei euch im Tourbus läuft?

Christoph: Es ist generell schwer zu sagen, dass wir einen all-time favorite Song haben. Es gibt unglaublich viel gute Musik.

Kilian: Das Gute an Musik ist einfach, dass selbst ein beschissener Song, eine verdammt gute Zeit beschreiben kann. Selbst wenn ich einen Song von Anfang der 90er Jahre höre und mir jetzt denke, dass der scheiße ist. Zu der Zeit haben wir ihn alle geliebt. Wir als Band hören alle ziemlich die gleiche Musik und daher begleitet uns auch meistens der gleiche Song. Aber ich kann jetzt für mich selbst nicht sagen, dass ich ein bestimmtes Lied habe, das mich immer begleitet. Es sind eher Platten, die bei uns im Tourbus häufiger laufen.

Nun endlich kommt auch die letzte Frage und ich muss sie einfach stellen: Gibt es eine Frage, die ihr schon immer mal gestellt bekommen wolltet. Also wo ihr denkt „Ach warum fragt das denn keiner? Ich will dazu endlich mal was loswerden.“?

Marie: Echt eine gute Frage und ich wollte die schon immer mal gefragt werden. Aber ich habe keine Antwort.

Zwischenzeitlich herrschte lange Stille und alle vier haben überlegt.

Robin: Eine gute Frage wäre tatsächlich: Was wäre, wenn es Cosby nicht mehr geben würde?

Marie: Das ist eine wirklich gute Frage.

Robin: Ja und dazu können wir sagen, dass wir, selbst wenn es Cosby nicht mehr geben würde, tatsächlich noch sehr enge Freunde wären. Für uns ist Cosby nicht das Maß aller Dinge. Wir verstehen uns auch noch auf einer anderen Ebene so verdammt gut. Daher gibt es auch nie Streitereien. Ja, das will ich noch mit auf dem Weg geben. Die Frage hat uns noch nie jemand gestellt.

Marie: Ja, das ist doch ein tolles Ende!

Wir bedanken uns sehr bei Cosby für dieses Interview. Zum Schluss muss noch gesagt werden, dass wir zwischenzeitlich von sehr vielen Kriebelmücken besucht wurden. Wenn ihr von diesen noch nie gehört habt, nicht schlimm! Cosby und herzmukke mussten diese gemeinen Blutsauger gleichzeitig zum ersten Mal kennenlernen und hoffen, dass sie allen anderen erspart bleiben.

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