Nein Danke! – Warum Reunions meistens scheiße sind

von am keine Kommentare
In Zeiten in denen immer mehr Bands ihre Comebacks verkünden und man nicht mehr sagen kann „Die gibt es nun endgültig nicht mehr“ sollten wir uns fragen: Was soll das Ganze eigentlich, warum sind die meisten Reunions scheiße und warum denke ich mir nur noch „Nein Danke!“?
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© Josh Clemence

Die Übernutzung der Wörter „Reunion“ und „Comeback“

Natürlich gibt es hin und wieder Bands, die sich wiedervereinigen und eine grandiose zweite Hälfte ihrer Karriere hinlegen, doch das sind meist kleinere Bands ohne einen “Legendenstatus” oder gewissen Nostalgiefaktor. Die Bands, die hier gemeint sind alte Männer (oder Frauen), die ihren Zenit schon im vorletzten Jahrzehnt überschritten hatten, es aber einfach nicht sein lassen können. Im Angesicht des euphorisch gefeierten Comebacks von Guns N‘ Roses ist mir aufgefallen, dass mich dies überhaupt nicht tangiert, weder positiv noch negativ. Es ist mir einfach egal, obwohl ich mich vor einigen Jahren durchaus als Fan bezeichnet hätte. Ich kam schließlich zu dem Ergebnis, dass das Wort „Reunion“ oder „Comeback“ in meinem Hinterkopf mittlerweile einfach eine negative Behaftung hat, da es durch Spezialisten wie a-ha oder die Scorpions, die nun zum gefühlt hundertsten Mal auf Abschiedstournee sind, missbraucht und bedeutungslos durch den Raum geschleudert wird, nur damit die Marketingmaschinerie das Wort „Farewell“ auf die Tickets drucken kann, die eingeschweißten Fans Panik kriegen, dass dies vielleicht die letzte Chance ist ihre Helden live zu sehen und einen astronomischen Preis für Karten in der letzten Reihe des Olympiastadions in Berlin ausgeben. Für mich ein Grund zu sagen: Nein danke, i’m good.

Die heuchlerische Seite der größten Reunions der Popgeschichte

Dadurch ist auch die Frage beantwortet, warum vergangene Stars der Popgeschichte sich immer wiedervereinigen. Denn es gibt nur eins, was Rockstars aus den 80er-Jahren und besonders deren Labels mehr lieben als Musik: Geld. Zusätzlich zur Stadiontour wird dann noch die fünfte Auflage der Best-Of CD verkauft, auf die man noch eine „nie zuvor gehörte Studioaufnahme aus dem Jahr 1987“ packt und schon fließt nochmal eine extra Runde Einkommen in die Taschen. Ist das Konto dann wieder gefüllt verschwinden Rudolf Schenker und seine Buddies wieder für ein paar Jahre in der Versenkung bis ihr Label auf die Idee kommt, dass eine allerallerletzte Reunion für eine Akustiktour doch nochmal drin ist (ugh, nein danke übrigens). Gerade bei Bands wie Guns N‘ Roses, wo die gegenseitige Abneigung von Axl Rose und Slash so öffentlich und tiefgehend war, kaufe ich denen keine Reunion der Musik oder der Fans zuliebe ab und ich bezweifle, dass die beiden nach den Shows zusammen im Backstage abhängen und viel Zeit miteinander verbringen.

Warum die Stars der Popgeschichte mit ihren Comebacks oder Reunions nur verlieren können

Aber genug von der ökonomischen Seite der Reunions. Manchmal kommt es durchaus vor, dass sich eine Band zusammenrauft und sagt „Na los, wir machen noch einmal ein Album“. Ab diesem Punkt haben sie eigentlich schon verloren, denn sie werden es dem Großteil ihrer Fans niemals rechtmachen können. Entweder es wird ein Album mit zehn Songs, die alle so klingen, wie der größte Hit ihrer Karriere, was dann von Kritikern als langweilig und nicht innovativ verschmäht wird oder sie produzieren eine Platte, die für ihre Verhältnisse vollkommen futuristisch und bahnbrechend ist, aber ihre loyale Fanbase nicht anspricht. Die eingefleischten Fans werden sich nicht mit einem neuen Sound identifizieren können, wenn sie nostalgische, subjektive Erinnerungen an das grandiose Debütalbum ihrer musikalischen Helden haben, was der Soundtrack ihrer Jugend war. Trotzdem kaufen sie sich die bereits angesprochenen überteuerten Tickets und an diesem Punkt macht die falsche Nostalgie dem Erlebnis vermutlich einen Strich durch die Rechnung. Hm, die hohen Noten hat er aber früher besser getroffen. Und das Lieblingssolo klang doch früher auch viel besser.

Reunions der Liebe zum Geld wegen

Aus diesem Grunde kann ich mich dem Hype bei Comebacks und Reunions meist nicht hingeben, denn ich habe immer im Hinterkopf, dass die Männer nun 20 oder 30 Jahre älter sind und es unmöglich schaffen werden die gleiche Energie wie früher rüberzubringen. Bestes Beispiel dafür At The Drive-In bei ihren Konzerten 2012 (ich mag es nicht Reunion nennen): Gitarrist Omar war überhaupt nicht bei der Sache, da seine Mutter kürzlich verstorben war und stand die meiste Zeit mit dem Gesicht zu seinem Verstärker und auch der Rest der Band wirkte lustlos. An die legendären Auftritte der 2000er, die meist unter Drogeneinfluss vollführt wurden, konnten sie auch gar nicht herankommen und das ist genau das, was mit der falschen Nostalgie bei Reunions gemeint war. Ich vergleiche das Ganze gerne mit dem Wunsch von Scheidungskindern, die möchten, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen ohne dabei zu bedenken, wie kacke es dann doch werden könnte. Mir könnten die meisten der großen, labelgetriebenen Wiedervereinigungen jedenfalls gestohlen bleiben, weshalb ich nun noch ein allerletztes Mal sage: Liebe geldgeile Labelchefs, Nein Danke!

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Hi, ich bin Niklas ...

Ich bin 19 Jahre jung, komme aus der Nähe von Hannover und seit 2013 schreibe ich regelmäßig über Musik. Mache ich das gerade nicht, dann studiere ich irgendwas mit Geschichte, höre Musik oder musiziere selber. Herzstücke sind für mich The Strokes und Foals, obwohl es gerne auch mal die härtere Gangart mit Heisskalt oder Knuckle Puck sein darf.

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