Insel der Freiheit: so war’s beim Sziget 2017

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Eine Woche lang tauchten wir auf dem Sziget Festival ein und ab in eine bunte Welt voller Musik, Spaß und Unterhaltung. Neben einem breitem musikalischen Programm, hatte die Donauinsel in Budapest noch so einiges mehr zu bieten. Mittendrin statt nur dabei ist hier die Devise.
Sziget 2017

© Benedek Varga, Rockstar Photographers

Während die deutschen Festivals wieder einmal mit Unwettern zu kämpfen haben, startete das 25ste Sziget Festival in Budapest bei schwitzigen 36 Grad im Schatten. Zum Glück ist Insel, die im Rest des Jahres als Park fungiert, mit ausreichend natürlichem Schatten gesegnet und bereits auf der Fußgängerbrücke, dem Haupteingang des Festivals, kühlten eigens installierte Sprenkelanlagen die Wartenden ab.

Sommer, Sonne, Sziget

Bereits am ersten Abend, den P!nk als Headliner krönte, schienen sich alle 500.000 Besucher vor der Mainstage versammelt zu haben und doch reisten noch Tage später Besucher bewaffnet mit Wurfzelten an. Neben der großen Hauptbühne und der Zeltbühne verfügt das Sziget über etliche kleinere Bühnen, auf denen sich bis in die Nacht Newcomer, DJs, Bands aus aller Welt und sogar Coverbands austobten. Während die meisten Gäste tagsüber im Schatten entspannten, ging es nach Sonnenuntergang erst richtig zur Sache. Freunde elektronischer Musik tanzten auch gerne bis in den Morgen weiter.

Am Tage locken jedoch viele weitere Aktivitäten. Wer alles einmal sehen wollte, konnte mit dem kostenlosen Szigetpass fleißigan allen Attraktionen Stempel sammeln. Neben einem eigenen Zirkuszelt können die Sitizens, so werden die Besucher des Szigets genannt, Brettspiele spielen, sich im Sportbereich auspowern, auf dem kleinen Jahrmarkt Büchsen werfen oder bei den diversen Bastel-Workshops kreativ werden. Vorbildlich war nicht nur die Anzahl an Toiletten, sondern auch deren Sauberkeit. Außerdem war wirklich immer Klopapier in Massen vorhanden.

Dosenbier, Dosenbier, Dosenbier!

Im Gegensatz zu deutschen Festivals sind die Bühnen nicht vom restlichen Gelände abgetrennt, sodass es keine zusätzlichen Sicherheitskontrollen oder Wartezeiten gab. Auch ist den Ungarn das Pfandsystem fremd, sodass man sein Bier (was umgerechnet c.a. 2,50 auf den halben Liter kostet) gemütlich aus der Dose süffeln konnte. Der Tetrapack kann übrigens zu Hause bleiben, Wasser darf in Plasteflaschen mitgenommen werden. Cocktails trinkt man am besten direkt aus dem Eimer. Zwar gibt es designierte Campingplätze, doch stehen die Zelte auch kreuz und quer im Gelände oder direkt neben den Bühnen. Wir haben uns muttimäßig für eine kostengünstige Pension in der Stadt entschieden – für 7 Tage campen sind wir dann doch zu alt.

Am Ende der Woche haben wir so viele Bands gesehen, dass wir Schwierigkeiten haben, uns an alles zu erinnern (alt, wie gesagt). Zu den Highlights gehörten auf jeden Fall die Glass Animals, die mit ihrer Spielfreude den Headliner des Abends, Two Door Cinema Club, locker an die Wand spielten. Alt-J waren live leider eher enttäuschend. Trotz imposanter Lichtshow blieben die drei Musiker stoisch an ihren Instrumenten kleben und spielten ihr Set runter. Genau genommen hätte man auch einfach eine Platte auflegen können.

Reif für die Insel? Das nächste Sziget findet vom 08.08. bis zum 15.08.2018 statt

Ganz anders waren da Biffy Clyro drauf. Die Schotten sind mir auf Platte immer etwas zu weichgespült, live haben sie die Mainstage aber sprichwörtlich abgerissen. Mando Diao schafften es bereits am Nachmittag die anfangs noch verschlafene Menge zum Tanzen zu bringen und Billy Talent lieferten gewohnt gut ab. Ein weiteres Highlight waren die Iren von The Strypes, die doch hoffentlich bald mal in Deutschland touren werden. Gechillter ging es bei Roosevelt auf der Europe Stage oder Bear’s Den im Zelt zu. Neben den obligatorischen Besuchen bei den beiden Hauptbühnen, schlenderten wie öfter über die Insel und ließen uns Balkan Beats, Singer-Songwriter-Klängen und einer Paramore-Coverband überraschen.

Tagsüber blieb noch etwas Zeit für den einen oder anderen Städtebummel oder zur Erfrischung in einem der vielen Freibäder Budapests. Die Stadt erreicht man mit der Bahn, die direkt vor dem Haupteingang hält oder mit der Fähre, die im 15-Minuten Takt die Insel ansteuert. Das Sziget ist alles, was man sich von einem Festival wünscht und gleichzeitig noch so viel mehr. Der Termin für’s nächste Jahr steht übrigens schon, also markiert ihn euch schon mal fett im Kalender!

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Hi, ich bin Deborah ...

Musik war für mich schon immer mehr als Beschallung oder Konsumgut, Musik ist eine Herzensangelegenheit. Seit einigen Jahren betreibe ich einen englischsprachigen Musikblog zu independent und DIY Musik und stieg im Sommer 2015 bei Herzmukke ein.

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