We Love America – The Orwells live im Musik & Frieden

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Letzten Dienstag waren die amerikanischen Rocker von The Orwells zu Gast in Deutschland. Bei ihrem ersten Berlin-Gig im Musik & Frieden wurde feucht-fröhlich das dritte Album der Band „Terrible Human Beings“, welches am 17. Februar diesen Jahres erschien, gefeiert.
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© Sophie Droysen / herzmukke / The Orwells

The Orwells – Terrible Human Beings

Während wir die Treppen zum Musik & Frieden besteigen, versuchen wir uns vorzustellen, was uns erwarten wird; keiner von uns hat jemals eine Live-Performance von The Orwells gesehen. Unsere Erwartungen basieren dementsprechend auf dem logischen Prinzip Rockmusik = Moshpit, und ich mit meiner Kamera mittendrin. Der Raum ist schon prall gefüllt als wir ankommen; die Menge besteht zum größten Teil aus Mitte 20-jährigen, die von allen Teilen Europas angereist sind.
Das Konzert beginnt mit den Songs „Fry“ und „Black Francis“, die dritte Single-Auskopplung von „Terrible Human Beings“. Das Lied ist eine Hommage an den Pixies-Sänger, welcher, wie sie in zahlreichen Interviews erklärten, ihre Musik enorm geprägt hat. Neben weiteren Songs des neuen Albums, wie „They Put A Body In The Bayon“ und „Heavy Head“ spielen sie einige Lieder von „Disgraceland“, darunter ihr bislang erfolgreichster Song „Who Needs You“, sowie „In My Bed“, welcher auf ihrem Debütalbum „Remember When“ zu finden ist.

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© Sophie Droysen / herzmukke / The Orwells

Es dauert nur wenige Sekunden bis sich die Menge teilt und anfängt zu moshen. Immer wieder mal klettert jemand auf die Bühne und springt in die Menge, stößt mit einem zweiten Crowdsurfer zusammen und fällt wieder runter; dieser Prozess wiederholt sich gefühlt 50 mal und trägt doch jedes Mal wieder zur Eskalation des Publikums bei. Neben zahllosen Crowdsurfern wurde das Konzert hauptsächlich durch die Bühnenpräsenz von Frontmann Mario Cuomo geprägt, der mit seinen weit aufgerissenen Augen und dem zur Seite geneigten Kopf eine Figur verkörpert, die für mich irgendwo zwischen Jack Torrence und American Psycho liegt. Es wirkt verstörend und doch kann man nicht weg sehen, stattdessen erwartet man gespannt, was als nächstes passiert. Einen Moment presst er seine Hände gegen den Kopf, ein qualvoller Ausdruck auf dem Gesicht, als wäre der Lärm zu viel für ihn; im nächsten Augenblick steht er am Rand der Bühne und schreit die Texte ins Mikro, hält die Hand eines Fans und lächelt bevor er in die Menge gezogen wird. Er macht keine Anstalten wieder zurück auf die Bühne zu kommen also wird er kurzerhand von dem Rowdy an der Hose gepackt und zurück gezogen. Mit festem Boden unter den Füßen sackt er zusammen und sitzt den Schluss des Songs aus, die Hände vor dem Gesicht und leicht vorn übergebeugt als würde er weinen. Immer wieder taumelt und tänzelt Cuomo wie benommen über die Bühne; man kann sich darüber streiten ob das Teil seiner Bühnenpräsenz ist oder das Ergebnis eines Exzessiven Konsums von Alkohol und Drogen. Für den Encore, der aus der zweiten Hälfte von „Double Feature“ besteht, kommt er ohne Shirt wieder und zieht kurz darauf seine Jeans aus. Er steht in seiner Sternchen-und-Streifen-Unterwäsche auf der Bühne und ruft „I love America!“, bevor er komplett verschwindet.

The Orwells provoziert live die Eskalation

The Orwells bezeichnen ihre Texte gerne als pseudo-politisch; auf „Terrible Human Beings“ reagieren sie unter anderem auf die düsteren Geschehnisse des letzten Jahres in Amerika. Mario Cuomo verkörpert die Jugend des Landes, die zerrissen ist zwischen ihrer Frustration mit der Entwicklung des Landes und dem Patriotismus, der Teil ihrer Identität ist. Mein Fazit: es war definitiv ein Erlebnis, ein Abend voller harter Gitarrensounds, irgendwo zwischen Garage Rock und Punk, und einem Frontmann, der weiß was er tun muss um die Aufmerksamkeit des Publikums zu bekommen, der geschickt mit dem Ruf der Band spielt und die Bühne als Plattform seiner irren Performance nutzt.

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Hi, ich bin Sophie ...

...leidenschaftliche Konzertknipserin und Musiknerd, gelegentlich fliege ich für meine Lieblingsbands quer durch Europa. Mein perfekter Tag startet mit The Smiths "Hatful Of Hollow" und endet bei einem Glass Animals Konzert, zwischendurch spiele ich etwas Gitarre und schreibe über mein Lieblingsalbum des Monats.

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